Tattoo Cover Up

oder auch Tattoo Überdeckung ist eine zur Zeit sehr in den Fokus geratene Kunstform unter den Tätowierungen, weswegen man sie als eine Spezialität bezeichnen kann. Vielmals hat sich der Ein oder die Andere ein Tattoo stechen lassen, das dann irgendwie nicht ganz so nach dem Geschmack war. Solche Tätowierungen zu überdecken ist eine der Königsdisziplinen, denn kaum ein Tätowierer mag sich die Mühen machen und sich den Kopf über das Thema zermartern. Und selbst so mancher selbsternannte Spezialist kann ein Cover Up auch nicht. Schließlich ist nicht immer ein Frauenkopf mit vielen Haaren, unter denen man die alte Tätowierung verbirgt, nach dem Geschmack. Oftmals werde ich gefragt, was denn da drüber passen würde, Wie man eine Tätowierung überdecken kann. Wenn man von „alten“ Kriterien ausgehen würde: Haare sind immer gut…  Oder eine Schwarze-8-Billardkugel. Oder einfach komplett Schwarz machen…  . Solche Kriterien sind, wie gesagt „alte Kriterien“, meiner Meinung nach einfachste Lösungsansätze, die leider durchaus in vielen Fällen auch zuverlässig zu greifen scheinen. Eine Überdeckung ist aber eine Kunst.

Aber was machst du, wenn du keine Schönheit mit wallenden Haaren, oder einen schwarzen Arm haben willst…? Schließlich ist ein Cover-up nicht wie ein Schlüssel-Schloß-Prinzip, nach dem Motto “ über ein solches Tattoo A passt genau ein solches Tattoo B“…

Die richtige Motivwahl beim Cover-up

Ich kann natürlich Gedanken bezüglich der Motivwahl für dein Cover Up mit einfließen lassen, aber letztendlich schaut es so aus: Du hast ein Problem, und ich versuche es zu lösen. Und wie kann man vermeiden, dass das neue Tattoo wieder zu einem Problem wird?  Da ist es ganz elementar wichtig, dass Du entscheidest, was dir gefällt. Was du gerne in die Überdeckung einfließen lassen willst, und deswegen je mehr Gedanken, desto besser… . Denn dann kann man auswählen, den Hauptfokus bestimmen, Seitenschauplätze einfließen lassen… . Eben die Elemente, die dir wichtig sind, werden so über das alte Tattoo gesetzt und eine zufriedenstellende Überdeckung daraus erstellt. Du lieferst deine Gedanken, ich liefere die Kunst der Überdeckung. Weil das ist meiner Meinung nach die Kunst bei einer Überdeckung : Teile des Alten in das Neue so zu integrieren und sie darin aufgehen lassen. Oder besser gesagt, in der Vielfalt des Neuen untergehen…

Feste Parameter für Cover-ups

Ein paar Sachen sind allerdings nicht zu ändern: Schwarz/Grau Tattoos sollten mit Schwarz/Grau überarbeitet werden, Farbige Tattoos mit Farbe. Eine Überdeckung wird immer grösser sein als das alte Tattoo, um die dunklen Flächen aufnehmen zu können. Was aber nicht bedeuten muss, dass aus einem 5 x 5 cm Tattoo gleich ein kompletter Arm werden muss. Aber natürlich, sofern der Wunsch besteht, werden kann. Ich arbeite auch Farbige Tattoo-Überdeckungen immer nur mit Farbe. Das heißt, es kommen in der Regel auch dort keine Schwarzen oder Grauen Schattierungen zum Einsatz. Außer in Ausnahmefällen, und dort grenze ich schwarze Flächen klar von den Farben ab und setze sie nicht unter die Farbe: Überdeckungen werden in der Regel rein prinzipiell eh schon dunkel, sie müssen nicht zusätzlich noch matschig werden durch Schattierungen, da diese Farben abstumpfen lassen.

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und so sieht es aus, wenn das richtig überdeckt wird: Video

Nachher

No-Go´s beim Cover-up

 

Bei diesen Bildern sieht man, wie eine Überdeckung nicht funktionieren kann. Die Farben überdecken nicht die Linien. In den Kreisen/ Ovalen sieht man diverse Faux-Pas bei einer Überdeckung:

  • So wie die Schatten mittels Schwarz: die Farben schauen stumpf aus.
  • Der Versuch mit hellen Farben über Linien/ dunkle Farben zu gehen.
  • Keine Rücksichtnahme auf die vorherige Struktur, was die alten Linien usw noch störender hervortreten lässt.

Man sollte sich immer darüber bewußt sein, dass eine Überdeckung einen Rettungsversuch bedeutet. Wenn aber das neue Motiv nicht zur Rettung beiträgt, sondern die Coverup Tätowierung nur zu einem noch größeren Desaster macht, was ist dann dabei gewonnen?

Was ist beim Cover-up zu berücksichtigen?

 

Gerade bei einem Cover Up Tattoo ist der Kunde auf den Ratschlag des Tätowierers angewiesen. Aber nur mal vom Prinzip her:

  • Wenn der Kunde einen Wunsch hat, dann sollte der berücksichtigt werden. In diesem Fall wurde der Wunsch nach Biomechanik von dem Tätowierer nicht mit der Vorstellung von Biomechanik der Kundin abgeglichen. Sondern einfach etwas gemacht, das man mal von einem anderen Tattoo-Artist gesehen hatte.
  • Wenn der Kunde keinen Wunsch hat, dann ist es schwierig darauf etwas zu bauen. Du musst mit dem Tattoo für den Rest deines Lebens herum laufen. Wenn man ein Kind ist, läuft man mehr oder weniger notgedrungen mit den Klamotten herum, die einem die Eltern kaufen. Das will man in der Regel im fortgeschrittenen Alter nicht mehr. Deswegen: Make up your mind. Es ist deine Geschichte, die du erzählt haben möchtest, nicht die der Tattoo-Künstlers. Wenn allerdings der Tattookünstler so geil ist, dass du z.B. den Rest deines Lebens mit seinem Portrait herumrennen willst, dann kann ich dir eine Adresse nennen, da wird man so bedient.
  • Bei Überdeckungen kann der falsche Tätowierer eine Menge falsch machen. Wer einen Schwarzen Arm haben will, weil das zu oft versucht worden ist… . Eine Tätowierung kostet Geld und Schmerzen. Man kann es sich aussuchen, womit man eine Überdeckung bezahlen möchte: In Geld, Schmerz, oder in Unzufriedenheit.

Narben beim Cover-up

 

Wenn sich einer denkt: Da gehe ich einfach mit Schwarz drüber, dann ist das halt weg… . Pustekuchen. Linien sind immer anders gearbeitet als Flächen. Und diese sieht man bei einer Überdeckung ganz gerne mal durch. Einfach nur dadurch, dass das ein Relief ergibt. Durch eine schwarze Überarbeitung wird es nicht besser. im Gegenteil. Durch die Struktur fallen Narben auf schwarzer Haut nur noch mehr auf, weil an der Stelle eine Spiegelung entsteht.

Was geht, und was nicht geht bei einer Überdeckung:

  • Ein Cover-up Tattoo ist immer größer als die alte Tätowierung. Es muss kein ganzer Arm aus einem kleinen Schmetterling werden. Wenn du es willst, kann es das aber.
  • Gleiches zu Gleichem: Farbe zu Farbe, Schwarz-Grau zu Schwarz-Grau Tattoos. In der Regel sind zu überdeckende Tattoos stumpf und matschig. Die Farben sind ausgeblasst, die Linien oftmals vernarbt. Über diesen Matsch mit der falschen Farbzusammenstellung zu gehen, das heißt gutes Geld Schlechtem hinterher zu werfen. Selbst die strahlendste Farbe wird durch eine unterliegende Schicht aus Grau/ Schwarz abgedämpft. Kein weißes Pigment der Welt kann über ausgeblasstes Schwarz decken. Wer dir so etwas erzählt, macht dir etwas vor. Im Besten Fall wird ein Grau daraus.
  • Narben schauen immer durch. Linien alter Tätowierungen sind in der Regel stärker aufgeworfen, als Flächen. Die Linien werden immer bemerkbar sein. Gerade, wenn die Sonne darauf scheint und die Linien anschwellen. Zwar werden Narben durch ein wiederholtes Tätowieren in der Regel flacher, weg gehen sie nicht. Um nicht ein tolles Kunstwerk zu haben, das Innen Schatten wirft, ist es nötig das alte Tattoo in das Cover Up zu integrieren. Das heißt, dass man schauen muss, wie die alten Strukturen laufen. Um diese dann in die Strukturen der Tattoo Überdeckung einzubetten. Und dafür braucht es einen Spezialisten, der das machen kann, und will.
  • Man braucht immer sogenannten “ negative Space“. Das heißt, Flächen in dem alten Tattoo die heller sind. Sind diese nicht vorhanden, so muss man schauen, wie man die schaffen kann. Lasern ist in dem Fall die allerletzte Möglichkeit, muss aber gut geplant sein. Das sollte immer vor dem Cover up besprochen werden.
  • Ich arbeite farbige Überdeckungen alter Tätowierungen immer auch nur mit Farbe. Dafür mische ich in der Regel eigene Farben, die dazu imstande sind, die dunklen Stellen zu überdecken. Schwarz als Schattierung wende ich nur selten an. Und wenn ich ein Cover Up mit Schwarz unterlege, dann nur klar abgegrenzt. Denn, wie schon oben geschrieben: jedes Schwarz macht Farben stumpf und matschig. Farbe über Schwarz/Grau zu stechen geht nur in Ausnahmefällen. Und dann auch nur mit der entsprechenden speziellen Technik. Wenn du unbedingt Matsch am Arm, oder wo auch immer haben willst, dann mach es doch anders. Je nach Farben lässt die Leuchtkraft nach ca 3- 7 Jahren nach, abhängig allerdings auch von der Ausarbeitung des vorherigen Spezialisten.

Also, wenn du nicht möchtest, dass deine alte Tätowierung irgendwann wieder zu Tage kommt, trotz Cover-up, dann solltest du dir diese Sachen durch den Kopf gehen lassen. In ganz seltenen Fällen kann man über ein altes Tattoo nochmal, ein zweites Mal, überdecken. Aber das wird dann wirklich irgendwann mal echt dunkel.