Der Glaube versetzt Berge
„Der Glaube an mich versetzt Berge. Die Liebe zu mir verleiht Farbe. Und die Hoffnung, dass der Tätowierer des Vertrauens noch nicht tot ist, wenn es Zeit für ein neues Projekt ist...“
— Roald Beyer über das Lebensmotto des Old School Sleeves
Glaube Liebe Hoffnung Tattoo Old School
Kommt das Tattoo nicht von allein zum Kunden, muss der Kunde zum Tattoo kommen. Und mit dem Tattoo komme in der Regel auch manchmal ich. Das verhält sich diametral zu dem vollendeten Tattoo, manchmal auf jeden Fall. Da verhält es sich eher, nach dem Motto, „wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, dann muss der Prophet zum Berg kommen“. Wobei ich Larissa definitiv nicht als Berg bezeichnen möchte und mich auch nicht als Propheten. Der Weg von Nürnberg nach München ist zwar kein Weg, den Frau für ihr Tattoo nicht in Kauf nehmen würde. Das hat sie regelmäßig für dieses halfsleeve tattoo gemacht. Aber das bezieht sich auf die Umstände: normalerweise.
Überwindung der Amaxophobie
Unter „normalerweise“ fällt es dann nicht mehr, wenn aus dem heiteren Himmel plötzlich, im Straßenverkehr -nicht auf oder von einem Tattootermin, wohlgemerkt- eine Panikattacke aufkommt. Und es danach erst einmal für eine gewisse Zeit nicht mehr möglich ist, in ein Auto zu steigen, geschweige denn nach München zu fahren. Amaxophobie nennt sich das Thema, und es ist überwindbar. Denn: als erstes wurde mal ganz klar in kein Auto mehr eingestiegen. Diese Phobie wurde dann zu späterem Zeitpunkt erfolgreich überwunden, aber das ist ein anderes Projekt. Jetzt stehen wir erst einmal vor dem Thema, dass ich gerne Fotos hätte. Und um diese Fotos zu bekommen mache ich, als ich auf einem Studiengang in Nürnberg bin, mal einen Abstecher.
Ein bleibender Eindruck in Old School
Nur so kommen wir zu dem schönen Eindruck, den ich auf Larissa hinterlassen durfte. Der ist in diesem Fall ganz Old School mäßig. Und das Motto des Oldschool ist: Der Glaube an mich versetzt Berge. Die Liebe zu mir verleiht Farbe. Und die Hoffnung, dass der Tätowierer des Vertrauen wenn es Zeit sei für ein neues Projekt noch nicht tot ist, von der reden wir hier mal nicht. Oder zu halbtot, das er nicht mehr imstande ist, ein Tattoo zu fertigen. Denn was macht so ein Tätowierer nicht alles, wenn er viel Zeit und keine Freunde hat? Spaß beiseite. Nachdem es sich bei Madame um eine wirklich langjährige Kundin handelt war ich der Tätowierer der Wahl.
Sailor Jerry, Flagschiff des Old School in dem Glaube Liebe Hoffnung Tattoo
Und das Motiv der Wahl war ein Half-Sleeve Old School Tattoo mit Glaube Liebe Hoffnung. Als einer der Vertreter, eigentlich DER Vertreter des amerikanischen Oldschool Tattoo galt Sailor Jerry. Von diesem sollte ich eine Katze auf einer 13 in das Tattoo integrieren. Wobei, stop stop stop. Zurück mit quietschenden Reifen. So hatte das doch gar nicht angefangen. Angefangen hatte das, wenigstens der Unterarm, mit einer Schleife. Da war noch gar keine Rede von Glaube Liebe und Hoffnung. Und zu dieser Schleife sollten noch Plüschwürfel und Leoparden Flecken dazu. Ich weiß nicht mehr, wie ich auf die Idee kam, die Schleife mit einer Taille zu versehen.
Die anatomische Transformation
Damit verwandelte ich sie gleichzeitig in eine weibliche Figur. Aber es bot sich unendlich an, da ich so in dieser Figur die Leoparden Flecken und die Würfel unterbringen konnte. Und so stand die Schleife eine Zeitlang alleine da. Und jetzt, ja aber erst jetzt, kommt Sailor Jerry´s Old School ins Spiel. Glaube, als Kreuz, Liebe als Herz, Hoffnung als Anker. Das sollte auf jeden Fall mit in das Tattoo, und ganz Oldschool, eine Schleife mit „Mum“. Glaube Liebe Hoffnung als zusammenhängendes Element, nicht als einzelne Komponenten, so auf jeden Fall mein Plan. Dazu eine Meerjungfrau, am Liebsten mit einer Matrosenmütze, eben an die Motive von Sailor Jerry angelehnt.
Komposition und Farbwirkung
Und natürlich Schwalben, als Zeichen von Treue, und Sterne als Zeichen von Sternen, und Kirschen und Totenkopf. Also schlug ich vor, ganz Oldschool, eine untergehende Sonne mit Strahlen und Meer zu verbasteln, zusammen mit Blätterornament und Wellen. In diesen sollte sich die Meerjungfrau aalen. Die Wellen mit dunkelroten Außenlinien, um sie noch ein wenig weicher zu machen, und dazu farblich abzusetzen. Die Hauptelemente mit schwarzen Linien umrandet, um sie klar zu gestalten. Der Sonnenuntergang in Pink und Lila, Pink natürlich als Lady´s Lieblingsfarbe. Wie man sieht, kommt es nicht ganz so oft vor, dass ich in den Genuß komme, Oldschool Tattoos zu stechen.
Ein persönliches Fazit: Spaß hoch 10 beim Glaube Liebe Hoffnung Tattoo
Und streng genommen ist das ja auch kein klassisches Oldschool Tattoo. Eher Oldschool in meiner Art interpretiert. Ob es mir gefallen hat, dieses Tattoo zu stechen? Ein ganz klares JA. Jederzeit wieder, wenn ich es machen kann, und der Kunde bereit ist. Und ich muss ehrlich sagen, dass ich gar nicht sagen kann, was mir am meisten gefällt. Ich glaube die Schleife. Oder der Sonnenuntergang. Oder die Meerjungfrau mit dem Ornament? Vielleicht auch der Lady Totenkopf im Innenarm? Alles davon, zusammen. Es gibt Momente, da werde ich regelrecht traurig, wenn ich daran denke, dass uns unsere Tattoos nur bis ans Ende des Lebens begleiten. Ebenso, wie eben Glaube, Liebe und Hoffnung.
★★★★★„..qualitativ hochwertige und kreative arbeiten.. einfach fallenlassen und ihm vertrauen.. das ergebnis wird dich jeden tag für laange zeit erfreuen...“
— Larissa Kistler, langjährige Kundin
Zusammenfassung: Technik und Symbolik
Stil: Old School / American Traditional (Roald Beyer Interpretation).
Platzierung: Unterarm-Half-Sleeve (Hinterseite, Ellbogen bis Handgelenk).
Kern-Element: Eine großflächige Schleife, die durch ihre langgestreckte Form als weibliche Silhouette (Taille) gestaltet wurde.
Motive: Integration klassischer Sailor Jerry Entwürfe (Katze auf 13, Meerjungfrau) sowie die Trias Anker, Herz und Kreuz.
Technik: Kontraststarke Black-Outlines; Wellen mit dunkelroten Außenlinien für optische Separation.
F.A.Q. – Glaube Liebe Hoffnung & Maritime Symbolik
Was hat das „Kreuz der Camargue“ mit diesem Tattoo zu tun? Das Motiv „Glaube, Liebe, Hoffnung“ findet seine wohl bekannteste heraldische Entsprechung im Kreuz der Camargue. Hierbei wird das Kreuz (Glaube) mit einem Anker (Hoffnung) und einem Herz (Liebe) an den Enden der Kreuzarme kombiniert. In Larissas Projekt haben wir diese klassische Trias als zusammenhängendes Old-School-Element interpretiert, um die tiefen biografischen Wurzeln dieser Werte zu betonen.
Was versteht man unter dem Begriff „Seemannsgrab“ im Kontext von Old-School-Tattoos? Das Seemannsgrab ist ein ikonisches Motiv der Tattoo-Geschichte. Es zeigt meist ein sinkendes Schiff, oft flankiert von einem Anker oder einem Grabstein. Es symbolisiert die Gefahr der See, aber auch die ewige Treue und die Hoffnung auf ein Jenseits. Larissas Tattoo greift mit der untergehenden Sonne und der aalenden Meerjungfrau diese maritime Melancholie auf, ohne dabei das „Morbide“ in den Vordergrund zu rücken.
Wie wurde die Schleife anatomisch genutzt? Die Schleife erstreckt sich über den gesamten hinteren Unterarm. Diese massive vertikale Fläche bot die perfekte Grundlage, um die Form in eine Taille und damit in eine stilisierte Frauenfigur zu verwandeln, in der Leoparden-Muster und Würfel Platz fanden.
Warum reiste der Tätowierer nach Nürnberg? Aufgrund einer zum Zeitpunkt der Dokumentation bestehenden Amaxophobie der Kundin konnte diese nicht nach München fahren. Da Roald Beyer ohnehin in Nürnberg war, wurde die Fotosession vor Ort durchgeführt. Die Phobie wurde erst zu einem späteren Zeitpunkt überwunden.










