„Ein Cover-Up ist kein Schlüssel-Schloss-Prinzip – es ist eine individuelle Lösung, damit aus einem alten Problem kein neues wird.“
Raul Beyer: Cover-Up Spezialist
Cover-up Tattoo
Was ist ein Cover-up Tattoo? Definition & Technik
Die Korrektur von einem Tattoo, ein Cover-up Tattoo (oder auch Tattoo-Überdeckung) ist eine hochspezialisierte Kunstform der Tätowierung. Technisch betrachtet geht es darum, ein bestehendes Motiv durch eine neue Pigmentierung so zu überlagern, dass das alte Bild nicht mehr erkennbar ist. Entgegen der alten Schule, die lediglich auf „dunkler und tiefer“ setzte, ist ein modernes Cover-up eine strategische Neugestaltung der Hautareale.
Warum ein professionelles Cover-up? Wege aus der Unzufriedenheit
Zur Tattoo Korrektur führt oft ein unüberlegtes Motiv – oder eine mangelhafte Ausführung – zu dauerhafter Unzufriedenheit. Die Korrektur solcher Tätowierungen gilt als Königsdisziplin, da sie weit über das normale Tätowieren hinausgeht.
Vermeidung von „Black-outs“: Viele Studios greifen zu radikalen Lösungen wie kompletten schwarzen Flächen (Black-out). Doch mit „Kanonen auf Spatzen zu schießen“ ist selten sinnvoll. Ein kleines 7-cm-Tattoo muss nicht zwangsläufig in einem massiven schwarzen Block enden.
Individuelle Lösungen statt Standard: Eine gute Überdeckung bewahrt die Ästhetik des Körpers, anstatt sie durch massive dunkle Areale zu dominieren.
Motivwahl bei Tattoo-Überdeckungen: Mehr als nur „viel Schwarz“
Die Wahl des richtigen Motivs ist elementar. Während früher pauschal zu Motiven mit hohem Schwarzanteil oder dichten Strukturen (wie Haare oder der klassischen „Eightball“-Billardkugel) geraten wurde, bietet die moderne Kunst weit mehr Spielraum.
Experten-Tipp: Ein Cover-up folgt keinem starren Schlüssel-Schloss-Prinzip. Es gibt kein Standardmotiv „B“, das perfekt über Tattoo „A“ passt. Jedes Projekt ist eine individuelle Problemlösung.
Strategie & Planung bei der Tattoo Korrektur: Dein Weg zum neuen Tattoo
Um zu verhindern, dass die Überdeckung erneut zum Problemfall wird, setzen wir auf eine strukturierte Planung:
Hauptelemente isolieren: Was gefällt dir wirklich? Was soll dich den Rest deines Lebens begleiten? Erstelle eine Liste deiner Wunschmotive (keine Zeichnung, um „Writers-Block“ zu vermeiden).
Seitenelemente nutzen: Aus deiner Liste wählen wir Symbole und Details, die über die kritischen Stellen des alten Tattoos gesetzt werden.
Integration statt Verdrängung: Die wahre Kunst besteht darin, Teile des Alten so in das Neue einzubinden, dass sie in der Vielfalt des neuen Designs vollkommen aufgehen.
Feste Parameter und technische Grenzen
Trotz künstlerischer Freiheit gibt es physikalische Gesetzmäßigkeiten beim Covern:
Farbwahl: Black-and-Grey Tattoos sollten idealerweise mit Schwarz/Grau überarbeitet werden; farbige Tattoos benötigen in der Regel eine farbige Überdeckung.
Größenverhältnis: Das Endergebnis wird zwangsläufig größer als das Original sein, um die dunklen Pigmentmengen des alten Tattoos optisch aufzunehmen.
Vermeidung von „Matsch“: Bei farbigen Cover-ups verzichte ich bewusst auf schwarze Schattierungen unter der Farbe. So bleiben die neuen Farben brillant und stumpfen nicht ab.
Feste Parameter der Überdeckung
„Integration statt Blackout – die Regeln der Königsdisziplin.“
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✎Farb-Treue: Schwarz/Grau wird mit Schwarz/Grau überarbeitet.
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✎Color-Logik: Farbige Tattoos benötigen Farbe zur Überdeckung.
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✎Größen-Faktor: Das Motiv wird größer sein als das alte.
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✎Kein Matsch: Schwarz nie unter Farbe – für maximale Klarheit.
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✎Deine Liste: Je mehr Wünsche, desto besser die Lösung.
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✎Integration: Einbettung des Alten ins Neue statt Zerstörung.
"Verschlimmbesserung ist kein Ziel. Man kann es sich aussuchen, womit man eine Überdeckung bezahlt: In Geld, Schmerz – oder in Unzufriedenheit." — Roald Beyer: Der Rettungsversuch
No-Go´s
Bei diesen Bildern sieht man, wie eine Überdeckung nicht funktionieren kann. Die Farben überdecken nicht die Linien. In den Kreisen/ Ovalen sieht man diverse Faux-Pas bei einer Überdeckung:
- So wie die Schatten mittels Schwarz: die Farben schauen stumpf aus.
- Der Versuch mit hellen Farben über Linien/ dunkle Farben zu gehen.
- Keine Rücksichtnahme auf die vorherige Struktur, was die alten Linien usw noch störender hervortreten lässt.
Man sollte sich immer darüber bewusst sein, dass eine Überdeckung einen Rettungsversuch bedeutet. Wenn aber das neue Motiv nicht zur Rettung beiträgt, sondern die Rettung nur zu einem noch größeren Desaster macht, was ist dann dabei gewonnen? Verschlimmbesserung ist kein Ziel.
Was ist zu berücksichtigen?
Gerade bei einer Verbesserung ist der Kunde auf den Ratschlag des Tätowierers angewiesen. Und ja, da kann man sich schon mal in den sensiblen Bereich des Gegenübers bewegen. Aber nur mal vom Prinzip her:
Wunsch ist Wunsch
Wenn der Kunde einen Wunsch hat, dann sollte der berücksichtigt werden. In diesem Fall wurde der Wunsch nach Biomechanik von dem Tätowierer nicht mit der Vorstellung von Biomechanik der Kundin abgeglichen. Sondern einfach etwas gemacht, das man mal von einem anderen Tattoo-Artist abgeschaut/inspiriert wurde.
Check deine Wunschliste
Wenn der Kunde keinen Wunsch hat, dann ist es schwierig darauf etwas zu bauen. Du musst mit dem Tattoo für den Rest deines Lebens herum laufen. Wenn man ein Kind ist, läuft man mehr oder weniger notgedrungen mit den Klamotten herum, die einem die Eltern kaufen. Das will man in der Regel im fortgeschrittenen Alter nicht mehr. Deswegen: Make up your mind. Es ist deine Geschichte, die du erzählt haben möchtest, nicht die des Tattoo-Künstlers. Wenn allerdings der Tattookünstler so geil ist, dass du z.B. den Rest deines Lebens mit seinem Portrait herumrennen willst, dann kann ich dir eine Adresse nennen, da wird man so bedient.
Motivation bei der Zuammenstellung der Wunschliste
Sei ruhig motiviert und anspruchsvoll, wenn du deine Wunschliste zusammen stellst. Beim verbessern kann der falsche Tätowierer eine Menge falsch machen. Wer einen Schwarzen Arm haben will, weil das zu oft versucht worden ist… . Eine Tätowierung kostet Geld und Schmerzen. Man kann es sich aussuchen, womit man eine Überdeckung bezahlen möchte: In Geld, Schmerz, oder in Unzufriedenheit.
Narben
Wenn sich einer denkt: Da gehe ich einfach mit Schwarz drüber, dann ist das halt weg… . Pustekuchen. Linien sind immer anders gearbeitet als Flächen. Und diese sieht man bei einer Überdeckung ganz gerne mal durch. Einfach nur dadurch, dass das ein Relief ergibt. Durch eine schwarze Überarbeitung wird es nicht besser. im Gegenteil. Durch die Struktur fallen Narben auf schwarzer Haut nur noch mehr auf, weil an der Stelle eine Spiegelung entsteht.
No-Go's & Realitätscheck
„Warum Blackout oft keine Rettung ist und Narben niemals lügen.“
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⚠Relief-Effekt: Narben gehen nicht weg. Schwarz macht alte Strukturen oft erst durch Spiegelung sichtbar.
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⚠Matsch-Gefahr: Helles Pigment über altem Schwarz kämpft umsonst – die alte Farbe kommt immer wieder hoch.
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⚠Negative Space: Ohne helle Freiflächen im Alt-Tattoo gibt es keine Brillanz im neuen Werk.
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⚠Sondermischungen: Nur spezielle Techniken verhindern, dass Farben nach Jahren stumpf werden.
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⚠Wunsch-Abgleich: Ohne klare eigene Geschichte wird das Cover-Up nur zur Kopie einer Kopie.
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⚠Zweit-Versuch: Über ein Cover-Up nochmal drüberzugehen, ist das absolute Limit – es wird sehr dunkel.
Go´s und No-Go´s
Es gibt ein paar No-Go´s. Ebenso wie ein paar Go´s.
Grösse
Das neue Tattoo ist immer größer als die alte Tätowierung. Es muss dunkle Flächen mit hellen Flächen in Kontrast setzen. Denn ansonsten hast du nur einen dunklen Fleck. Letztendlich muss kein ganzer Arm aus einem kleinen Schmetterling werden. Wenn du es willst, kann es das aber.
Gleiches zu Gleichem
Es muss Gleiches zu Gleichem gearbeitet werden. Farbe zu Farbtattoos. Schwarz-Grau zu Schwarz-Grau Tattoos. Beispielsweise sind zu überdeckende Tattoos in der Regel eh schon stumpf und matschig. Dabei sind die Farben ausgeblasst, die Linien oftmals vernarbt. Fälschlicherweise über diesen Matsch mit einer unpassenden Farbzusammenstellung zu gehen, das heißt gutes Geld Schlechtem hinterher zu werfen. Weder kann die strahlendste Farbe über eine unterliegende Schicht aus Grau/ Schwarz ankämpfen. Kein weißes Pigment der Welt kann über ausgeblasstes Schwarz decken. Noch kann ein Schwarz in Gänze Helles Weiß verschwinden lassen. Wer dir so etwas erzählt, macht dir etwas vor. Die alten Farben kommen wieder hoch. Im besten Fall wird ein Grau daraus.
Vorsicht, Narben
Achtung dabei, denn man arbeitet über Narben. Und Narben schauen immer durch. Schließlich sind Linien alter Tätowierungen in der Regel stärker aufgeworfen als Flächen. Sodass die Linien immer bemerkbar sein werden. Sobald die Sonne darauf scheint können die Linien anschwellen. Zwar werden Narben durch ein wiederholtes Tätowieren in der Regel flacher, ähnlich wie beim medizinischen Micro-Needling, weg gehen sie nicht. Um nicht ein tolles Kunstwerk zu haben, das Innen Schatten wirft, ist es nötig das alte Tattoo zu integrieren. Das heißt, dass man schauen muss, wie die alten Strukturen laufen. Um diese dann einzubetten.
Negative Space
Man braucht immer sogenannten “ negative Space“. Entsprechend Flächen in dem alten Tattoo, die heller sind. Optimalerweise, unter denen gar keine Farbe vorhanden ist. Denn sind diese nicht vorhanden, so muss man schauen, wie man die schaffen kann. Lasern ist in dem Fall die allerletzte Möglichkeit. Schließlich muss das gut geplant sein. Das sollte immer vor dem Cover up besprochen werden, ob das eine Option ist.
Sondermischungen
Ich arbeite farbige Überdeckungen alter Tätowierungen immer auch nur mit Farbe. Dafür mische ich in der Regel Sondermischungen. Das sind eigene Farben, die dazu imstande sind, die dunklen Stellen zu überdecken. Schwarz als Schattierung wende ich nur selten an. Und wenn ich mit Schwarz kontrastreicher gestalte, dann nur klar abgegrenzt. Denn, wie schon oben geschrieben: jedes Schwarz macht Farben stumpf und matschig. Farbe über Schwarz/Grau zu stechen geht nur in Ausnahmefällen. Sehr wenigen Ausnahmefällen. Und dann auch nur mit der entsprechenden speziellen Technik. Wenn du unbedingt Matsch haben willst, dann mach es anders. Je nach Farben lässt die Leuchtkraft nach ca 3- 7 Jahren nach. Jedoch abhängig allerdings auch von der Ausarbeitung des vorherigen Spezialisten.
Fazit
Fazit der Sache ist also, wenn du nicht möchtest, dass deine alte Tätowierung irgendwann wieder zu Tage kommt dann solltest du dir diese Sachen durch den Kopf gehen lassen. In ganz seltenen Fällen kann man über ein altes Tattoo nochmal, ein zweites Mal, überdecken. Aber das wird dann wirklich irgendwann mal echt dunkel.



