„Wenn du dich in zwei strahlende Augen verliebst, so ist das nur die Sonne, die durch deinen hohlen Schädel scheint.“
— Urheber unbekannt (Memento Mori Tradition)
Die Philosophie des Schädels
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💀Omnia est Vanitas: Der Totenkopf als zeitloses Mahnmal für Demut und Vergänglichkeit.
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💀Die Pusteblume: Wenn der Tod sanft wird – Samen aus Knochen, die vom Wind getragen werden.
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💀Memento Mori: Ein ritueller Anker, der uns daran erinnert, das Leben bewusst zu feiern.
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💀Der Gleichmacher: Das Symbol der absoluten Gerechtigkeit – im Tod sind wir alle eins.
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💀Verspieltheit: Warum der Tod in anderen Kulturen tanzt, singt und fröhlich Abschied nimmt.
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💀Individuelle Form: Von anatomischer Präzision bis zur surrealen Interpretation à la Dali.
Skull Tattoo, bis sie um den Schädel fliegen
Skull Tattoo, auch Totenköpfe oder Totenschädel Tattoos sind aus der Tattookultur nicht weg zu denken. Sie sind die wohl von der Allgemeinheit als gängigstes Motiv verstandenen Tätowierungen. Zu Recht oder zu Unrecht? Das ist nicht so einfach zu beantworten. Einerseits sind Skull Tattoos Zeichen der Vergänglichkeit und Demut. So veranschaulicht wie in dem Beinhaus Sedlec in Kutna Hora, Tschechien. Hier wurde aus mehr als 10.000 Skeletten eine Kirche „dekoriert“, unter anderem um der Sterblichkeit zu gedenken. Skull oder Schädel? Ich kann mir nicht helfen, aber aus irgendeinem Grund klingt Skull endgültiger. Dementsprechend kann man nicht einfach über den Kamm scheren, was die Motivation für ein Schädel Tattoo ist. Pazifist oder Mörderhenker-Fraktion?
In Memento Mori
In Memento Mori, im Angedenken des Todes. Den Siegern im alten Rom soll ein Sklave zur Seite gestanden haben während des Triumphzuges. Mit den mahnenden Worten: Gedenke, dass du sterblich bist. Um vor der Überheblichkeit zu warnen. Ein Schädel soll durchaus zur Innenschau veranlassen. Andererseits sind Skull Tattoos Zeichen von Wildheit und Zerstörung. In gewissen Kulturen symbolisiert eine Kette von Schädeln um den Hals die Zahl der Feinde oder auch erfolgreich geschlagener Schlachten. Wiederum verwendet als Mahnmal für den eigenen ( und den der geliebten Menschen) Tod und den entsprechenden Umgang mit dem Leben. Denn der Schädel steht stellvertretend für den Tod, der jeden ereilt. Alles ist eitel, vergänglich, omnia est vanitas.
Einfachheit der Darstellung
Durch die Einfachheit der Darstellung ist ein Skull Tattoo wahrscheinlich das in seiner Anzahl und Gesamtheit am Meisten getragene Tattoo- Motiv. Schließlich braucht jeder einen Schädel. Ich weiß nicht, wie viele Schädel , aber wahrscheinlich wird die Zahl der gearbeiteten Totenkopf -Tattoos in die Hunderte gehen. Das erste war damals eine Überdeckung, von einem, rate mal: Totenkopf-Tattoo. Dieses war eigentlich ein Exploited- Schädel, mit Knochen-Irokesenschnitt. Durch zu schnelles Training und Muskelzuwachs verformt sah es aus wie ein Rhesus- Affe. Also kamen gleich mal 3 massive, miteinander verwobene Schädel als Überdeckung auf die Schulter. Und ich hatte gleich eine meiner ersten Lektionen gelernt: Körper verändern sich. Anders gesagt, wenn man weiß wie, dann kann man das in dem Tattoo berücksichtigen.
Vielfalt an Variationen
Es gibt eine Vielzahl an Variationen für ein Schädel Tattoo. Süß und nett, mit Rose im nicht existierenden Haar, Kussmund und Wimpern. Oder als nettes kleines Strich- Schädelchen am Handgelenk, oder als La-Catrina-Totenkopf. Der an das Werk Dalis „L´Amore de Pierrot“ angelehnte Münchner Kindl mit Franziskanermönch ergebende Schädel. Oder einfach der massive 50 cm Schädel, der mahnend von der Brust flüstert “ Gegen das Schicksal bist du machtlos“. Letztendlich ist das Schöne daran, dass man Schädel in allen Formen und Farben machen kann. Ob realistisch oder stilisiert, old-school oder Sprüher-Style. Wie gesagt: Jeder braucht eigentlich einen Totenkopf als Tattoo. Und wenn es einfach nur dafür ist, sich die eigene Vergänglichkeit in Erinnerung zu rufen. Und die Demut.
Verspielt
Und nicht zuletzt ist der Tod verspielt. Er kümmert sich nicht um Unterschiede. Der große Gleichmacher. und damit die einzige Komponente, die mit dir spielt, wenn alle anderen schon gegangen sind. Zynisch? Das kommt auch wieder auf die Perspektive an. Und auf die Kultur. Gerade in der westlichen Kultur wird sehr ernst mit dem Thema umgegangen. Andere Kulturen sind dabei froher. Wer einmal ein Begräbniszug in New Orleans erlebt hat, der weiß, es geht auch fröhlich. Mit Band zum Abschied. Die ab dem Moment des Abschiedes vom Friedhof abgeht wie Lucy. Und dann wird zu der letzten Party gespielt. In dem Sinne verspielter.
Zu guter Letzt etwas Besinnliches
Wenn man einer Pusteblume zuschaut, wie sie vom Wind davon getragen wird spürt man eine Leichtigkeit. Ob es die eigene Kindheit ist, oder später eine andere Kindheit, die einen daran erinnert Kind gewesen zu sein. Aber wenn man eine Pusteblume auf pustet, dann ist es Freude, die man dabei verspürt. So auch bei dem Todes Tattoo. Mit seinen kleinen putzigen Totenköpfchen als Samen an den Federn der Pusteblume, die der Tod weg bläst. Man sollte nicht zu viel über den Tod nachdenken. Aber genau richtig. Wenn du dich in zwei strahlende Augen verliebst, so ist das nur die Sonne, die durch deinen hohlen Schädel scheint. Was denkst du?