„Ein Trash Tattoo ist im Kern eine Collage: Ein Zusammenspiel aus Sinnsprüchen, Grafik und Realismus – ein ‚Erweiterungsmodul‘, um Gedanken in einzigartige Bilder zu verwandeln.“
Roald Beyer: Die Kunst der Collage

Trash Tattoo

Trash Tattoos sind als eigenständige Bezeichnung Ende der 2010´er Jahre auf der Tattoo Bildfläche aufgetaucht. Ursprünglich wurde diese Bezeichnung aus dem von Volker Merschky und Simone Pfaff aus Würzburg als geschützte Marke eingetragenen Stil entwickelt. Hierbei wurden „Störer“ in die oftmals großflächig angelegten Tattoos eingebracht, an Pinselstriche oder Spritzer erinnernde Stilelemente.  Helle Flächen wurden abgewechselt von dunklen Elementen, die naturalistisch ausgearbeitet waren, zum Beispiel Portraits. Weitere Grundlage waren sich abwechselnde Elemente aus Schriftsätzen, Grafik, Realistik. Hierbei kamen als Farben hauptsächlich die Sinalfarbe Rot neben den in Schwarz-Grau gehaltenen Teilen vor. Somit waren die Tattoos in ihrer Wirkung wesentlich auf Schwarz-Grau und Rot einzugrenzen.

Künstlerischer Ansatz des Trash Tattoo

Allgemein wurde von den beiden Schaffern einem künstlerischem Ansatz gefolgt -aus meiner Perspektive nicht unbedingt im positiven Sinne zu verstehen. Der Träger wurde zur Leinwand umgewandelt, es lief nach dem „viele Köche verderben den Brei“-Prinzip. Man bekam für sein Geld: die Gedanken und kreativen Ergüsse von zwei Künstlern, in der Regel nicht die eigenen. Der Träger liefert eine Begründung, warum er ein Tattoo haben wolle und einen groben Umriss der Gedankenlage. Und dann wurde unter weitgehendem Ausschluss der weiteren Mitwirkung ein Werk erstellt. Der Erfolg gibt recht, in der Folge wurde das Trash Tattoo an und für sich in alle möglichen Richtungen, von Tätowierern über den Globus imitiert, nachgeahmt und als Ausgangspunkt für eine Weiterentwicklung in andere Stilbereiche genutzt.

Trash Tattoo: Die Evolution eines modernen Klassikers

So kam es teilweise zu Weiterentwicklungen auch im farblichen Bereich. Zu den roten Elementen gesellten sich mitunter andere Farben hinzu. Allerdings nicht bei den Namensgebern, soweit mein Wissensstand. Die blieben ihrer Linie treu. Bei diesen inspirierten Tattoos kam es bisweilen zu Wermutstropfen: Es kam bisweilen der Gedanke auf, dass der ein oder andere Nachahmer eher der Meinung sei, das „Trash“, zu deutsch „Müll, Abfall“, oder in der weiteren Auslegung „Schund, Ramsch“ wörtlich zu nehmen sei. Und nicht als Stilbeschreibung, sondern in der Ausarbeitung. Es kam somit nicht selten dreckige, schartige Tattoos auf den oder die Träger/ Trägerin, die nicht dem, trotz aller Attitüde ausgefeiten Stil der Erschaffer entsprach. Denn trotz allem, die Ausarbeitung verlangt hohe Fertigkeit.

Collage statt Leinwand: Mein künstlerischer Ansatz

Nun könnte man alles auf einen Kern reduzieren. Aber das hieße über einen Kamm zu scheren. Aber das heißt reduzieren. Aber ich versuche einmal, meine Wahrnehmung mit einzubringen, als Interpretation: Dass ein Trash Tattoo eigentlich nichts anderes sei, als eine Collage. Eine Abwechslung aus Sinnsprüchen und grafischen Elementen, zusammengeklebt Sinnsprüche kann man gerne als Platzhalter sehen, es können auch Gebete oder andere in Schrift gefasste oder auszudrückende Inhalte sein. Der Faktor ist „Schrift“. Graphische Elemente sind als Grundelemente des Graphikdesigns Linien, Form, Farbe, Textur, Schrift, Raum und Bild. Somit alles, was es halt so gibt im künstlerischen Schaffensbereich der Tattoos. Und nachdem im Laufe der Zeit wesentliche Inhalte der Veränderung unterworfen wurden könnte das mit der Collage sogar stimmen.

Keine Übernahme fremder Ansprüche

Jetzt mag ich es nicht, den künstlerischen Anspruch von Kollegen für mich zu beanspruchen. Auch soll hier nicht der Eindruck erweckt werden, das künstlerische Schaffen Anderer vereinnahmen zu wollen. Zugleich sich zu denken, es weiter entwickeln zu können. Vielmehr sehe ich es als ein Stilmittel. Ein Stilmittel, mit dem ein Tattoo aufgelockert oder differenziert werden kann. Sozusagen als Erweiterungsmodul. Denn wer ein Original will, der muss sowieso zu den Schöpfern des Stils. Insbesondere weil sich die Ansätze absolut in unterschiedliche Richtungen bewegen.

Individuelle Umsetzung: Warum Brainstorming den Unterschied macht

Während bei dem Einen der Träger zur Leinwand wird versuche ich die Gedanken des Trägers in Bilder zu verwandeln. Und dabei sind die Gedanken nicht nur Leitmotive sondern im weiteren Prozess gewünscht und gewollt. Nur so kann das, natürlich wieder aus meiner Perspektive zu interessanten Ergebnissen führen, die im Sinne eines Brainstormings zu einem einzigartigen Ergebnis führen.