„Grau vergibt nicht. Jeder Stich ist eine kleine Pigment-Bombe in der Haut – und es erfordert Erfahrung, diese so zu platzieren, dass die Zeit das Ergebnis dankbar behandelt.“
Roald Beyer: Die Physik des Schattens
Dame König Bube: Schwarz Grau Weiß, mehr als nur Licht und Schatten
Black and Grey Tattoo, oder im deutschen halt einfach Schwarz Weiß Tattoo wird im allgemeinen als die einfachste Form von Tattoos empfunden. Nun, eigentlich müsste es Schwarz Grau oder bei Verwendung von Weiß dann eben Schwarz Grau Weiß Tattoo genannt werden. Denn in der Regel werden die Kontraste zwischen den grauen Elementen durch weiße Farbe noch einmal abgesetzt und verstärkt. Wobei das ganz massiv ein Stilmittel ist. Denn Weiß macht zusammen mit den abgestuften Schattierungen noch eine weitere Ebene auf. Das macht es möglich, starke Begrenzungen um das Tattoo, wie Linien, komplett herum weg zu lassen und somit etwas Härte zu reduzieren. Aber ist diese Form des Tattoos so einfach?
Stilmittel Black and Grey Tattoo
Das Black and Tattoo ist ganz Stilmittel. Es kann alles mögliche, es muss aber nicht. Jetzt kann man gerne auf die verschieden Stile eingehen. Soll Scharz/ Grau flächig, aber weich im Kontrast eingebracht werden? Soll es ineinander fließen, in Übergängen? Oder soll es gepunktet, als Dot-Work erscheinen? Jede Form hat dabei ihr eigenes Flair. So kann durch Dotwork die Fläche aufgebrochen werden, es erscheint in dem Sinne „luftiger“, weniger massiv. Wenn es flächig eingebracht werden soll, sollen weiche Kontraste oder Übergänge zu sehen sein, oder soll es nebeneinander liegen, wie in japanischen Holzschnitten gesehen? Soll es dunkel und drückend erscheinen, wie ein dystopischer Albtraum oder wie eine weiche, fluffige Flaumfeder?
Spektrale Einflüsse beim Black and Grey Tattoo
So einfach, wie gedacht ist aber in der Ausarbeitung nicht, bereits durch die Farben, die je nach Zusammensetzung spektralen Einflüssen unterliegen. Jede Farbe, jedes Pigment hat eine Streuung in gewissen Farbspektren. Oftmals ist das der Blau-Bereich. Deswegen wird auch allgemein gemäkelt, dass Tattoos im Laufe der Zeit blau werden würden. Zum Teil ist da etwas Wahres dran. Aber eben nur zum Teil. In der Regel ist das im Schwarz verwendete Pigment Schwarz CI 77266. Es besteht aus aufwendig gereinigtem Ruß. Verunreinigungen sind durch die diversen gesetzlichen Vorgaben auf ein mögliches Minimum reduziert worden. Allerdings kommt es darauf an, wie gearbeitet wird. Nicht nur die Farbe ist ein Thema, sondern auch wie weit sie sich im Blut- und Lymphbahnbereich befindet.
Die Wissenschaft hinter dem Blau-Stich: Pigmente und Makrophagen
Das Verständnis von der Wirkweise von Tattoos hat sich inzwischen im Vergleich zu vor noch 20 Jahren ganz massiv erweitert. Dachte man früher noch, die Farbe würde „einwachsen“, indem sie eingekapselt wird, ist man inzwischen zu dem Verständnis gekommen, dass die Farbe von körpereigenen Fresszellen aufgenommen wird. Makrophagen heißen diese. Und hier fängt der Spaß an, besonders bei Black and Grey Tattoos. Diese Makrophagen können sich in einem Bereich befinden, der in dem Sinne -ohne biologische Spitzfindigkeit- weder Fleisch noch Fisch ist. Sprich sie sind eigentlich zu tief und damit im Bereich der durchbluteten Hautschicht, der Unterhaut. Und werden dort auseinander getrieben womit ein bläulicher Touch zustande kommt. Je nachdem kann das aber auch durch die Pigmentierung/Filterwirkung der Haut beeinflusst werden.
Technik schlägt Tutorial: Warum Grau keine Fehler verzeiht
Ferner ist das Problem, dass Grau nicht gerne vergibt. Man muss sich zweierlei vor Augen führen. Jeder Stich ist eine kleine Pigment-Bombe in der Haut. Diese kann aber je nachdem wie die Maschine läuft mal größer, mal kleiner sein. Je nachdem, wieviel Druck von der Maschine ausgeübt wurde, bzw. negative Beschleunigung im Sinne von Abstoppen beim „Einschleudern“ der Pigmente können und werden diese im Laufe der Zeit auseinander gehen. Dementsprechend ist es auch nicht schwer zu verstehen, dass es nicht so einfach ist, eine Maschine mit 100 + Stichen in der Sekunde so zu bedienen, dass es nicht zu sich überlagernden Stichen kommt. Denn diese verändern natürlich die Deckung. Wer glaubt jetzt noch, Black and Grey Tattoos wären einfach?
Stilmittel: Von weichen Übergängen bis zum dystopischen Albtraum
Wie üblich ist alles eine Frage der Technik. Mit der entsprechenden Technik können Ergebnisse erreicht werden, die die Zeit dankbar behandelt. Da ist es hilfreich, wenn ein wenig Erfahrung mit am Start und im Spiel ist und nicht nur ein YouTube Tutorial. Und mit diesem Stichwort damit wieder zum Anfang zurück gekehrt wird: zu dem Tattoo-Stil. Welcher soll es sein? Soll es weich sein. Soll es „lebhaft“ krisselig sein“ oder klar abgegrenzt nebeneinander liegend? Oder dunkel, drückend?