Tattoo Archiv
Seit mehr als einem viertel Jahrhundert bin ich im Tattoo- Business jetzt tätig…genug Zeit, um einiges an Arbeiten zusammen zu tragen. Ein Archiv, das hört sich immer nach angestaubt an. Da ist es bei einem Tattoo Archiv nicht anders. Kommt es doch aus dem griechischen “ archeion“, dem Amtsgebäude. Und gegensätzlich zu der Galerie, die aus dem Säulengang abgeleitet ist und rein bildlich eine luftige Umgebung hervorruft kann sich da durchaus auch etwas Staub ansammeln. Dabei kann aber Staub gerade und im Besonderen durchaus Kunst sein. Und wenn es sich um Kunst aus Staub im Miniaturformat handelt, dann ist an dem Begriff des „Verstaubten“ das Gegenteil von alt und abwertig zu sehen.
Voraussetzung Aufgeschlossenheit
Wie an anderer Stelle bereits zu lesen hängt die Möglichkeit, Bilder in einem Tattoo Archiv auszustellen von mehreren Umständen ab. Unter anderem, die Trägerin oder der Träger ist willig, ihr/sein Tattoo von mir ablichten und veröffentlichen zu lassen. Aber das ist nicht das abschließende Kriterium. Das liegt auch in der eigenen Aufgeschlossenheit. Ich habe zu viele Kollegen getroffen, die der Meinung waren, ihre Genialität wäre nur durch die aktuellsten, geilsten, neuesten Arbeiten würdigend unter Beweis gestellt. Das hat sich teilweise in geradezu obszessivem Verstecken alter Arbeiten geäußert. Was dann in der Folge zu einem Verstecken per se wird. Denn ich kann nicht ohne meine vergangenen Arbeiten bestehen.
Was ist in dem Archiv?
In diesem Tattoo Archiv… was findet man da? Letztendlich den Werdegang in Bildern. Von ganz alten Tattoos aus den ersten Jahren, bis zu neueren Tattoos. Es gibt sehr vieleTätowierungen, auf die ich nach wie vor sehr stolz bin. Es gibt Motive, die man nicht alle Tage stechen darf, Einzelschicksale, wie es immer so schön heißt. Aber eben auch dadurch einzigartige Gedanken, die ich in ein Tattoo umsetzen durfte. Geschichten, die eben genau das sind: Schichten aus Gedanken, aus Erfahrungen, aus Überzeugungen…Schichten über Schichten. Es könnte einen Grund geben, dass mich die Künstlersozialkasse als bildenden Künstler anerkannt hat. Ich habe als Tätowierer Möglichkeit gehabt, meine eigene Brille und meine Fertigkeiten an Andere auszuleihen, um ihnen neue Ebenen zu erschließen.
Aber warum denn ein Archiv?
Warum ein Archiv, wird man sich fragen? Weil einfach das Angebot an Sachen im Laufe der Zeit überhand genommen hat. Der Grund, warum ich dieses Archiv aufgesetzt habe ist dem Ein oder Anderen schlüssig, dem wiederum Nächsten nicht. Ich hatte einmal vor Jahren ein Erlebnis auf einer Convention, das das Thema ganz gut beschreibt. 2 Leute schauten sich meine Mappen durch, ab und an kamen anerkennende Grunzlaute, dann wieder mal nichts. Als dann das Gespräch mit den Jungs zustande kam erzähle mir der Eine: das alles sei echt cool, bloß ab und an wäre etwas dabei, das ihn an eine Kinderzeichnung erinnere, das ihn nicht anspreche. Diese Tattoos sähen so aus, als ob es jemand nicht kann… .
Kunst und Können
Kurz danach kam ein Pärchen, und wie es so sein sollte, waren sie von genau dem Zeug angetan, das der Vorherige so verworfen hatte. Ich habe damals schon immer wieder versucht klar zu machen, dass jedes Motiv eine Eigenheit darstellt. Natürlich von mir interpretiert, natürlich von mir mit etwas Gesehenem assoziiert, aber eben etwas Eigenes, für den Träger konzipiert. Kunst kommt zwar von Können. Aber Kunst liegt klar im Auge des Betrachters. Und im Fall von Tattoos in der Betrachtung des Trägers. Und nachdem diese Betrachtung als subjektive Komponente mit mir in Zusammenarbeit maßgeblich bei der Entstehung eines Tattoos mitwirkt muss sie auch gewürdigt werden.
Wie gesagt: nicht nur der fresheste Shit
Und deswegen tue ich mir auch schwer, einfach zu sagen : Weg mit dem alten Scheiß… ist nicht mehr fresh. Dazu habe ich zu viele Kollegen, die ihre Mappen alle Nase lang wieder ausgemistet haben, weil sie der Meinung waren, die alten Tattoos würden ihre heutigen Fähigkeiten nicht wieder spiegeln. Dann sind da 10 Tätowierungen im Portfolio… und das wars. Aber gerade weil Tattoos auch eine Kunstform sind. In meinem Fall, Fähigkeiten eben Anderen zur Verfügung stellt, mit Wissen, das andere nicht haben, oder haben wollen, um die Geschichten zu erzählen. Es müssen auch Fähigkeiten und Entwicklungen aufgezeigt werden, die sich nicht nur im Neuesten Werk auftun. Um die Wahl zu vereinfachen, ob ich der Richtige bin für dich.