Die Geisha als Mysterium
„Schönheit symbolisiert Alterslosigkeit. Unnahbarkeit ist ein wesentliches Merkmal, denn die Geisha unterhält durch Gesang und Tanz – und versteckt sich spielerisch hinter einem Fächer.“
— Roald Beyer über die Symbolik der Geisha
Geisha Tattoo Cover up: Die Kunst der japanischen Überdeckung
Die Geisha, als eines der japanischen Mysterien, ist immer wieder faszinierend, durch ihre besondere Stellung als Unterhalterin in Japan von besonderer Eigenheit. Schönheit, durch das Ideal der gleichmäßigen Schminke, ebenso wie der Makellosigkeit der Gesichtsoberfläche symbolisiert Alterslosigkeit. Es mutet puppenhaft an und versteckt dadurch auch die Erfahrung, die einer Person allgemein in das Gesicht geschrieben stehen. Unnahbarkeit ist ein wesentliches Merkmal, denn die Geisha unterhält durch Gesang, Tanz, und versteckt sich spielerisch hinter einem Fächer. Dabei ist die besondere Eigenschaft des Fächers nicht zu unterschätzen. Er ist nicht nur Symbol für Glück und Entwicklung, Entfaltung und die Ausbreitung des Lebens von einem Festen Punkt, der Geburt, aus. Er ist auch ein Symbol für den Wohlstand.
Unschuldige Vermutung und der Tessen-Kampffächer
Allerdings dürfte es sich um unschuldige Vermutung handeln, dass der Fächer lediglich das Accessoire einer Dame wäre. Denn es gibt auch den anderen Fächer in der japanischen Tattoo Kunst und Symbolik: den Tessen, der in der Tat ein Kampffächer ist. Zum Zweck der Täuschung einem eigentlich harmlos anmutenden Hilfs-Bekleidungsstückes ähnlich, aber mit scharfen Klingen ausgestattet, war sein Zweck, den Träger, oftmals Samurai nach dem Abnehmen seiner Waffen nicht wehrlos zurück zu lassen, wenn er sich im Hause eines anderen Samurai einfand. Schauspiel, Dramaturgie ebenso wie Komödie ist das innere Wesen der Geisha, um die Stimmung des Gastes je nach Moment und Notwendigkeit zu steuern und zu leiten bedarf es vielfacher Fertigkeiten wie Musizieren. Aber auch Strategie, wie beim Go-Spiel.
Strategiepapier Geisha Cover up Tattoo
Nun, in diesem Fall liegt die Strategie bei mir. Die Trägerin ist in anderen Bereichen strategisch unterwegs. Ich darf mich um die Ebene Haut, und ich bin ja schon fast begeistert, um eine Anforderung im Rahmen von Überdeckungen kümmern. Ein paar Jahre vorher hatten wir schon ein Koi Cover-up Projekt erfolgreich hinter uns gebracht. Und jetzt stand das nächste im Haus. Leider habe ich die Bilder der alten, zu überdeckenden Tattoos nicht zur Verfügung. Tattoo auf dem Steißbein. Tattoo auf der Hüfte. Und noch ein Tattoo auf dem unteren Rippenbogen. Wie das da hinkommt weiß ich nicht. Wie das da wegkommt? Die Frage muss ich mir mal eingehender stellen. Ich stelle sie mir. Und ich stelle sie mir intensiv.
Intensive Begeisterung für die grafische Lösung
Aber voller Begeisterung. Was soll eigentlich alles rein? Naja, eine Geisha in jedem Fall. Ich habe eine grobe Vorlage als Vorgabe, aber das ist beim besten Willen nicht umsetzbar. Die Vorlage berücksichtigt rein gar nichts: keine bestehenden Tattoos, keine Form, kein gar nichts. Ich muss die zu überdeckenden Elemente in einen Fluß bringen, sie verbinden, sie einbinden. Und das geht in dem Fall nur durch ausgeprägte Elemente in Dunkel. Deswegen denke ich mir, wieso eigentlich nicht die Falten eines Kimono, das würde sich anbieten bei einer Geisha? Und in den inneren Bereich des Stoffes kommen Ornamente hinein, die die dort befindlichen Altlasten integrieren. Im Außenbereich werden die Ornamente als Blumen, als stilisierte Chrysanthemen weiter geführt.
Anatomische Integration auf dem Rücken
Eingerahmt durch eine breite Borte. In Anlehnung an die andere Seite, die den Koi in eine Halbrund-“Brücke“ aus Wasserelementen integriert hat, und die das gesamte Schulterblatt ausfüllt kommt auf das andere Schulterblatt eine Windspirale mit der Geisha, hinter einem Fächer. Hierbei achte ich auf die Konkurrenz zwischen den beiden Elementen, das den Koi als das dominanter herausstellt. Erstens war er bereits da, und gibt somit die Form und die Richtung vor, die ich aufnehme und in den Hintergrund aus Wellen mitsamt unterlegten Steinen und Blumen überführe. Zweitens muss die Geisha durch ihr „herüberreichen“ von der rechten auf die linke Seite die Hauptlast der verbindenden Elemente „tragen“. Und das funktioniert nur, wenn sie durch den erhöht liegenden Koi mitgenommen wird.
Mitreißende Begeisterung und das finale Design
Dafür braucht es in dem Sinne ein Gefälle. Und diese Begeisterung reißt mich dermaßen mit dass es sich alles fügt: Aus dem Drachen auf dem Steißbein wird mit etwas Geschick und Phantasie ein Schariwari, eine Gürtelschnallen Brosche. Weitere zu überdeckende Elemente sind in den Ornament Schnüren auf der Seite des Gewandes untergebracht. Viel dunkle Flächen, aufgelockert durch helle Elemente, Wellen durchsetzt mit sich überkreuzenden Wellen. Und natürlich, wie kann es für ein Oriental Tattoo anders sein, Kirschblüten Tattoos mit integriert. Schließlich hatten wir damit schon 5 Jahre vorher bei der Überdeckung des Fisches gespielt, deswegen nach der langen Zeit auch die unterschiedlichen Blüten. Denn nichts steht für Schönheit und Vergänglichkeit mehr als Kirschblüten.
Kurzweilige Zeichnung und Wandel
Und Wandel. Und Veränderung. Und weil ich mich so dafür begeistern kann ist es eine sehr kurzweilige Zeichnung. Ich weiß noch, wie die Überraschung am anderen Ende des Telefons ausfällt, als ich nach 3 Tagen bereits mit der Zeichnung vorstellig werde. Die Ausarbeitung hat etwas länger gebraucht.
Zusammenfassung: Technik und Symbolik
Stil: Japanese Traditional / Oriental Tattoo.
Technik: Großflächiges Fullback Cover-up (Überdeckung von Steißbein-, Hüft- und Rippentattoos).
Motive: Geisha, Fächer (Tessen), Kirschblüten (Sakura), Chrysanthemen, Koi-Integration.
Konzept: Nutzung von Kimono-Falten und dunklen Ornament-Borten zur Kaschierung von Altlasten.
Besonderheit: Dynamische Verbindung zweier Rücken-Hälften (Koi-Brücke trifft Geisha-Windspirale).
F.A.Q. – Geisha Tattoo & Cover-up Strategie
Was symbolisiert der Fächer bei einer Geisha Tätowierung? Der Fächer steht heraldisch für Glück, Wohlstand und die Entfaltung des Lebens. In der Tattoo-Kunst wird oft zwischen dem dekorativen Fächer und dem Tessen (Kampffächer der Samurai) unterschieden, was dem Motiv eine verborgene Stärke verleiht.
Wie funktioniert ein Cover-up bei mehreren alten Tattoos auf dem Rücken? Die Strategie besteht darin, die Altlasten in dunkle, fließende Elemente zu integrieren. Bei diesem Projekt wurden Kimono-Falten und reich verzierte Borten genutzt, um Tattoos an Steißbein, Hüfte und Rippen spurlos in das neue Gesamtkunstwerk einzubinden.
Warum sind Kirschblüten in japanischen Tattoos so beliebt? Kirschblüten (Sakura) stehen für die Vergänglichkeit des Lebens, Schönheit und stetigen Wandel. Sie eignen sich hervorragend, um verschiedene Ebenen eines großflächigen Rücken-Tattoos miteinander zu verknüpfen.



