"Ein Affe ist kein Affe, wenn er nicht wenigstens 'Affe' auf den Fingern stehen hat und eine Banane auf dem Kopf trägt." — berühmte Worte unbekannter Minnesänger, Roald Beyer

Affen Tattoo: Wenn der Kapuzenmuskel zur Schnauze wird

Affen Tattoo: Eine affengeile Zusammenarbeit

Was passiert eigentlich, wenn zwei Leute gleichzeitig vom wilden Affen gebissen sind und der eine plötzlich ein affengeiles Tattoo auf der Schulter will? Einfach nur, weil es dahin passt oder – was in meiner Welt viel häufiger vorkommt – passend gemacht werden kann? Es ist ja nicht so, als ob der gute Mann nicht ganz genau wüsste, dass ich das passend machen kann. Schließlich haben wir bereits eine extrem arbeitsintensive Vergangenheit aufzuweisen. Er weiß, dass ich immer wieder mein absolut Möglichstes gebe, um Körperteile völlig neu zu erschließen und harmonisch zu integrieren. In meinem Studio gilt ein ehernes Gesetz der Anatomie: Wenn nicht der Körperteil das Motiv bestimmt, wer bitteschön sollte es dann tun? Das Projekt Affen Tattoo war somit geboren.

Die langwierige Suche nach dem Primatengesicht

Affengeil ist in diesem speziellen Fall aber zuerst etwas ganz anderes, denn am Anfang wusste ich erst einmal nicht so recht, wie ich es anstellen sollte. Affen haben schließlich die unterschiedlichsten Gesichter; man denke nur an den typischen Schimpansen, den massiven Gorilla oder den nachdenklichen Orang-Utan. Und so verbringe ich erst einmal eine ganze Weile mit intensiven Recherchen, einfach um das richtige Gesicht für dieses Affen Tattoo zu finden. Irgendwann kommt er dann, dieser Erhellungsmoment, der kreative Durchbruch. Ich weiß endlich wie, allerdings muss dafür noch ein wenig mehr Recherche im Netz betrieben werden. Wir wissen es ja bereits aus leidvoller Erfahrung: Affe ist eben nicht gleich Affe, besonders wenn es um die individuelle Persönlichkeit geht.

PETA, Persönlichkeitsrechte und der Selfie-Skandal

Denn schließlich hat jeder Affe eine echte Persönlichkeit und daher, man höre und staune, auch Persönlichkeitsrechte. Das hat die Organisation PETA tatsächlich durch alle Instanzen durchgeklagt. Solche bizarren Sachen kann man bei Recherchen im Internet über Affen lernen. Und zwar schmerzhaft, zumindest als unbeteiligter Beobachter mit einem gepflegten Double-Face-Palm. Ebenfalls extrem schmerzhaft endete die Geschichte für den Fotografen David Slater. Er wurde von PETA verklagt, weil er ein „Selfie“, das ein Affe von sich selbst in einem unbeobachteten Moment mit Slaters Kamera gemacht hatte, als sein eigenes Werk vermarktet hatte. Der Fotograf ist durch diese Klageflut wohl inzwischen pleite. Es stellen sich dem interessierten Beobachter dabei viele Fragen, doch diese führen hier schlichtweg zu weit. 

Anatomie als Schauplatz der tierischen Verwandlung

Man könnte meinen, so mancher Mensch benäme sich wie ein Tier – oft sogar im Namen der Tiere. Aber, Funfact: PETA hat die Berufung verloren. Und das geschieht dann auch noch im Namen der Tiere? Wie dem auch sei, wir konzentrierten uns wieder auf das Wesentliche: Die Platzierung des Affen Tattoo. Der obere Kopf des Musculus trapezius, oder wie der Nicht-Lateiner ihn gerne nennt – der Kapuzenmuskel – darf für eine langgezogene Schnauze herhalten. Es ist faszinierend zu sehen, wie die Erhebung des Muskels die Plastizität des Tiergesichts unterstützt. Die Anatomie liefert hier die Vorlage für die Dreidimensionalität, die ein flaches Blatt Papier niemals bieten könnte. Die Form des Körpers wird somit zum aktiven Mitgestalter der gesamten tierischen Physiognomie auf der Haut.

Göttliche Eingebung und das Spiel der Klappfiguren

Ich glaube ja fast, dass ich durch meine Recherchen für das Affen Tattoo ein wenig unter Schock stand. Schließlich wollte ich nicht Gefahr laufen, im Namen eines abgebildeten Affen verklagt zu werden. So folgte ich der guten alten göttlichen Eingebung und machte aus zwei oder drei Affen kurzerhand einen einzigen. Jeder kennt doch dieses Gesellschaftsspiel, in dem ein Blatt gefaltet wird und jeder Beteiligte einen Teil eines Gesichts oder Körpers zeichnet. Es hat viele Namen:  Exquisite Corps (Klappfiguren) oder einfach Kopf-Oberkörper-Beine. Ich fühlte mich ein wenig so, als würde ich dieses Spiel mit mir selber spielen. Ne, nur Flachs, das war nur für das Storytelling.  Aber der Gedanke half mir, den Affen perfekt für den Körperteil anzupassen.

Die familiäre Ähnlichkeit im Album der Primaten

So kommt am Ende etwas zustande, was man fast schon im eigenen Familienalbum finden könnte, nur um dann festzustellen, dass diese familiäre Ähnlichkeit einfach nicht von der Hand zu weisen ist: 

  • Die Augen von (wahlweise einfügen);

  • Die freche Schnute von (wahlweise einfügen) – erkennt man sofort;

  • Die Ohren von (wahlweise einfügen);

  • Ganz zu schweigen von (wahlweise einfügen)!

Da wird doch der Affe verrückt! wenn man sieht, wie sich diese Versatzstücke zu einem stimmigen Ganzen zusammenfügen. Das Affen Tattoo ist somit eine Collage der Evolution, angepasst an die individuelle Topographie einer menschlichen Schulter und eines kräftigen Halsansatzes.

Alles Banane: Klischees und Erkennungszeichen

Abschließend muss noch festgestellt werden: Erstens ist ein Affe kein Affe, wenn er nicht leidenschaftlich gerne Bananen isst. Das mag ein billiges Klischee sein, aber wir lassen hier kein Klischee aus, nur um ein Fettnäpfchen zu vermeiden. Und deswegen bekommt dieser Affe ein klares Erkennungszeichen direkt auf den Kopf gesetzt: Eine Banane! Klar erkennbar an der grün-gelben Färbung, mit ein bisschen Braun dazwischen. Wer weiß schon genau, wie lange die da schon auf dem Kopf vom Affen sitzt. Die zu tätowierende Fläche für dieses Affen Tattoo ist nämlich nicht nur die Schulter, sondern sie zieht sich auch bitte den Hals hoch bis direkt zum Ohr. Die Banane bildet hierbei den farblichen und inhaltlichen krönenden Abschluss.

Komplementäre Konturen und technische Finessen

Für die Linien habe ich Komplementärfarben vermixt, damit das am Ende keine harten, schwarzen Linien werden. In diesem Fall habe ich mal ausnahmsweise, völlig entgegen meiner normalen Verwendung von Farben und Schwarz, ein klein wenig Schwarz unter der Augenwulst verwendet. Aber gut aufgepasst: Die Farbe liegt direkt neben dem Schwarz und nicht darüber. Denn wer im Kunstunterricht aufgepasst hat, weiß genau, dass schwarz-graue Schattierungen unter einer Farbschicht die darüberliegenden Farben immer stumpf und leblos wirken lassen. Brillanz erreicht man nur durch saubere Trennung. So behält das Affen Tattoo seine Leuchtkraft und die Banane strahlt in ihrem reifen Gelb, ohne von dunklen Untertönen in ihrer Wirkung gedämpft oder gar schmutzig gemacht zu werden.

Das finale Gimmick und der faule Zahn

Zweitens ist ein Affe natürlich kein Affe, wenn er nicht wenigstens „Affe“ auf den Fingern stehen hat, um sich damit jederzeit klar ausweisen zu können. Es ist diese Art von humorvoller Selbstidentifikation, die das gesamte Motiv abrundet. Die restliche Geschichte wird hier nicht weiter ausgeführt, es gibt lediglich ein einziges Gimmick, das zum Schluss noch unbedingt erwähnt werden sollte. Im Mund vom Affen, versteckt hinter der frechen Schnute, liegt auf einer winzigen Hängematte noch ein fauler Zahn und genießt sein Dasein. Solche Details machen ein Affen Tattoo erst zu dem, was es ist: Ein individuelles Kunstwerk voller versteckter Botschaften, das die Grenze zwischen Mensch, Tier und humorvoller Erzählkunst auf der Haut verwischt.

 

Zusammenfassung: Technik und Symbolik – Affen Tattoo

  • Stilistik: Anatomisch adaptiertes Character-Design mit Elementen des Exquisite Corps.

  • Anatomie: Der Musculus trapezius formt plastisch die Schnauze des Affen.

  • Farbtechnik: Mix aus Komplementärfarben zur Linienbildung; selektive Schwarzsetzung zur Wahrung der Farbbrillanz.

  • Gimmicks: „Affe“-Lettering auf den Fingern, Hängematten-Zahn im Mund, Banane als Kopfschmuck.

  • Besonderheit: Integration von Hals und Schulter zu einer fließenden Motivfläche.

"Wenn nicht der Körperteil das Motiv bestimmt, wer dann? Beim Affen Tattoo darf der Kapuzenmuskel für eine langgezogene Schnauze herhalten – Anatomie als Storytelling." — Roald Beyer über anatomisches Design
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