Dotwork Mandala Tattoo mit Eule und Blume des Lebens
Es liegen farbige Dots direkt neben den grauen Dots. Und nachdem Grau die Farbe unterstützt, da es hintergründig agiert, schiebt sich das Rot optisch nach vorne. Versuche deinen Fokus nur auf die farbigen Elemente zu legen, ohne sie starr zu fixieren. Das nennt sich „Soft Focus“.
Raul Beyer | Mehrdimensionale Geometrie
Dotwork Mandala Tattoo im Trend der Zeit
Ein Dotwork Mandala Tattoo ist ja der neueste Schrei – auf jeden Fall, wenn man den Zeitschriften glaubt. Lustig, vor einiger Zeit ,2019, besuchte ich einen Freund in Texas. Gemeinsam mussten wir feststellen, dass wir älter geworden sind und uns seit über 20 Jahren kennen. Darüber hinaus stellten wir fest, dass sein Dotwork Mandala Tattoo nichts an Eleganz verloren hat. Wir hatten das damals als Hintergrund für einen bereits bestehenden Drachen gestaltet.
Dauerhafte Aktualität eines Dotwork Mandala Tattoos
Genauso wenig hat es an Aktualität verloren, wie das damals ca zum selben Zeitpunkt, um die 2002 herum gearbeitete Dotwork Mandala mit veganer Blume in V-Form. Wie in allen Bereichen des Lebens ist auch im Tattoo-Bereich Altes plötzlich wieder neu. Aber so komme ich ab und an in den Genuss, neue Tattoos zu arbeiten, wobei diese auf alten Techniken basieren. So auch mal wieder in diesem Fall.
Die Konzeption: Eule mit Blume des Lebens
Eine Eule sollte das zentrale Element in diesem Tattoo werden. Der Platz dafür sollten der Unterarm und die Hand sein. Darüber hinaus gab es einige andere Elemente, die mit einfließen sollten, wie beispielsweise die Blume des Lebens. Ein drittes Auge für die Eule auf der Stirn war ebenfalls gewünscht, weiterhin natürlich Dotwork. Aber das haben wir ja schon in Aussicht gestellt, indem das Projekt als „Eule mit Blume des Lebens Tattoo“ benannt wurde. Und ein weiteres Element, das mit dabei sein sollte, wenn wir schon dabei sind: noch ein gerüttelt Maß an Brainfuck! Wobei das möglicherweise auf mein Konto gehen könnte. Wenn man Stilelemente miteinander zu einem neuen Ergebnis vermengen kann, dann sollte man das tun.
Die Anatomie des Kopfes und das dritte Auge
Je nachdem, wohin man seinen Fokus legt, kann man unterschiedliche Sachen zuerst sehen. Nachdem die Farbwahl für die Augen der Eule mit Orange-Gelb am eindrucksvollsten erschien, bot es sich an, das dritte Auge auf der Stirn auch Orange zu machen. Weiterhin bot es sich wegen der Form der Eule an, in ihre Stirn einen Teil der Blume des Lebens einzupassen. Gerade bei den Ohreulen, die als Orientierung verwendet wurden, besteht durch die ausgeprägte Gesichtsform mit den kreisrund umlagerten Augen die Stirnpartie in einer Form vor, die eine Abwandlung in ein Rund geradezu anbietet. Dadurch konnte eine sich aus den Überschneidungen ergebende Linse als das dritte Auge verwendet werden.
Mehrdimensionale Tiefe im Dotwork Mandala
Die Linien der weiteren Linsen wurden bis zum Abschluss des Kopfes zusätzlich mit Weiß unterstützt. Dadurch wurde der Kopf im Vergleich zum Hintergrund hervorgehoben. Um den Kopf nach oben abzuschließen, legte ich eine gelbe Linie, die durch ihren Bezug auf die Augen verbindend und integrierend wirkt. Dotwork kann man in vielerlei Richtung verwenden. Es ist ein Stilmittel, nicht nur ein Tattoostil oder Tattoo-Genre. Es gibt nicht nur eine Lösung für ein Dotwork Mandala Tattoo. Einerseits kann es eindimensional gestaltet werden, dann liegen Punkte gleicher Dunkelheit nebeneinander und ergeben ein Muster. Andererseits kann man es aber auch mehrdimensional verwenden, so wie es in diesem konkreten Fall umgesetzt wurde.
Die Geometrie der Blume des Lebens
Die Blume des Lebens in diesem Dotwork Mandala Tattoo ergibt durch Überschneidungen der Linien Linsen. Zwischen drei Linsen liegen somit konkave Dreiecke. Diese Dreiecke wurden so aufgeteilt, dass sie erhoben aussehen und dreidimensional wirken. Schließlich haben sie nach unten dunklere Punkte und lassen somit die Dreiecke wie eine im Schatten liegende, dreidimensionale Fläche erscheinen. Doch damit nicht genug. Um die Ellbeuge läuft ein Mandala-Kranz wie ein Rahmen, um das am Oberarm befindliche Werk eines anderen Tätowierers sauber abzugrenzen und gleichzeitig optisch aufzufangen. Es läuft quasi wie ein Lätzchen in einem Rund. Dieser Kranz erscheint zwar auf den ersten Blick unterbrochen, dennoch ist er es nicht.
Mandala als Kontrast und farbige Unterbrechung
Ein Mandala ist in der Regel nichts anderes als ein sich wiederholendes Ornament. Meist ist es rund und konzentrisch aufgebaut, das heißt, es geht von einer Mitte aus. Die Mitte ist in diesem Fall gedacht irgendwo am Oberarm. Somit gibt es durch die Blume des Lebens, die vom Handgelenk nach oben ausgeht, eine Überschneidung. Denn die Blume des Lebens hat ihr Zentrum in der Mitte des Unterarms und schließt eigentlich dort ab, wo das Mandala anfängt. Deshalb wurde durch das Mandala um die Ellbeuge zweierlei erreicht: Einerseits hat es einen harten Abschluss nach unten durch die breite, schwarze Außenlinie. Da es in Schwarz-Grau gearbeitet ist, ergibt es einen starken Kontrast.
Die optische Wirkung von Grau und Buntpunkten
Andererseits wird es unter dem Muster weitergeführt. Denn dort, wo die Blume des Lebens liegt, läuft der Kranz mit farbigem Dotwork weiter, als Unterbrechung, ohne harte Linie. Dafür wurden anstelle von Schwarz Rot und Gelb verwendet. Die Fotos geben das leider nur bedingt wieder, die Kameras kommen dabei an ihre Grenzen. Aber es liegen farbige Dots direkt neben den grauen Dots. Und nachdem Grau die Farbe unterstützt, da es hintergründig agiert, schiebt sich das Rot optisch nach vorne. Versuche deinen Fokus nur auf die farbigen Elemente zu legen, ohne sie starr zu fixieren. Das nennt sich „Soft Focus“. Schaue durch sie hindurch und erlebe, welche Wirkung das hat!
Eine Frage des Fokus und der Farbdifferenzierung
Wer kennt die optischen Täuschungen nicht, die je nach Betrachtung entweder zwei Gesichter oder eine Vase ergeben. Dieses Prinzip findet sich auch hier wieder. Wenn man nicht fokussiert schaut oder seinen Fokus unscharf stellt, dann sieht man entweder das Mandala in Rot und Gelb unter der Blume, oder aber die Blume des Lebens. Ansonsten nicht. Nachdem auf der Außenseite bereits genug Information verarbeitet wurde, habe ich die Innenseite des Dotwork Mandala Tattoos mit verschiedenen Rottönen, Orange und Gelbtönen gearbeitet. Die dunklen Punkte in dem farbigen Mandala-Teil sind durch Sondermischungen von Rot mittels der passenden Komplementärfarbe erreicht worden, nicht durch den Einsatz von Schwarz oder Grau.
Das harmonische Spiel der Komplementärfarben
Dadurch unterstützen sich die einzelnen Elemente gegenseitig und machen das Tattoo als Gesamtheit nicht zu dunkel, wie es durch den ausschließlichen Einsatz von Grau erreicht werden würde. Und es ist immer schön zu sehen, wie der Arm in gewisser Weise brennt, aber auch wieder nicht. Es wirkt wie ein goldener Herbsttag, wenn das bunte Laub am Boden den Grund für das Wundern über die Schönheit der Natur bildet. Durch diese bewusste Farbdifferenzierung ohne klassisches Schwarz entsteht eine lebendige Dynamik, die dem gesamten Unterarm-Sleeve eine harmonische, fast organische Leuchtkraft verleiht, die sich je nach Bewegung und Lichteinfall des Betrachters immer wieder neu zusammensetzt.
Zusammenfassung (Für das Artikel-Schema & Technischen Aufbau)
Projekt-Historie: Maßgeschneidertes Unterarm- und Hand-Sleeve im Dotwork-Stil; harmonische Verschmelzung einer zentralen Ohreule mit der Geometrie der Blume des Lebens und einem konzentrischen Mandala-Kranz als fließendes Gesamtkunstwerk.
Anatomische Anpassung: Ausnutzung der markanten, kreisrunden Augenpartie der Ohreule, um die Stirnpartie anatomisch perfekt in eine Linse der Blume des Lebens übergehen zu lassen, die als drittes Auge fungiert.
Narrative Metamorphose: Transformation klassischer geometrischer Muster in ein mehrdimensionales Design; symbolische Integration von Orange- und Gelbtönen auf der Arminnenseite, die das Motiv wie einen warmen Herbsttag leuchten lassen.
Strategische Flussrichtung: Platzierung eines Mandala-Kranzes um die Ellbeuge als optischer Rahmen, der die Arbeit eines anderen Tätowierers auf dem Oberarm sauber abgrenzt, auffängt und im fließenden Rund wie ein Lätzchen nach unten leitet.
Handwerkliche Herausforderung: Erzeugung echter Dreidimensionalität innerhalb der Blume des Lebens durch die gezielte Setzung dunklerer Punkte in den konkaven Dreiecken; Verzicht auf Schwarz oder Grau im farbigen Mandala-Teil zugunsten von Sondermischungen aus Rot und seiner Komplementärfarbe, um ein Nachvorneschieben der Buntpunkte zu erzwingen.
F.A.Q. (Häufige Fragen für das Schema)
Wie wird ein Dotwork Mandala Tattoo dreidimensional statt flach gestaltet?
Bei einer flachen Gestaltung liegen Punkte gleicher Dunkelheit einfach nebeneinander. Für die Mehrdimensionalität in diesem Tattoo wurden die konkaven Dreiecke, die durch die Überschneidungen der Linsen in der Blume des Lebens entstehen, gezielt schattiert. Indem die Punkte nach unten hin dunkler werden, wirken die Dreiecke wie im Schatten liegende, plastisch erhobene Flächen.
Was hat es mit dem dritten Auge der Eule auf sich?
Die Gesichtsform von Ohreulen bietet durch die markanten Federkränze um die Augen eine kreisrunde Stirnpartie an. Diese Form wurde genutzt, um einen Teil der Blume des Lebens direkt in den Kopf einzupassen. Eine der Linsen, die sich aus den geometrischen Überschneidungen ergibt, wurde exakt auf der Stirn platziert und farblich in Orange-Gelb hervorgehoben, um als drittes Auge zu fungieren.
Welche Funktion hat der Mandala-Kranz um die Ellbeuge?
Der Kranz läuft wie ein rahmendes Lätzchen in einem Rund um die Ellbeuge. Er erfüllt eine doppelte Funktion: Er grenzt das bestehende Tattoo eines anderen Tätowierers auf dem Oberarm sauber ab und fängt die Bewegung des Armes gleichzeitig harmonisch auf. Nach außen hin hat er durch eine breite, schwarze Linie einen harten Abschluss, unter der Blume des Lebens läuft er jedoch nahtlos und weich weiter.
Wie funktioniert die optische Täuschung mit dem „Soft Focus“?
Unter der Blume des Lebens wird das Mandala ohne harte Linien mit farbigem Dotwork in Rot und Gelb weitergeführt. Da graue Punkte direkt neben den farbigen Punkten liegen, drängt sich das Rot optisch nach vorne, während das Grau in den Hintergrund tritt. Wer den Blick unscharf stellt oder hindurchschaut (Soft Focus), sieht abwechselnd entweder nur das farbige Mandala oder die Geometrie der Blume des Lebens.
Warum wurde auf der Innenseite des Arms kein Schwarz für die Schattierung genutzt?
Um zu verhindern, dass das Tattoo insgesamt zu dunkel, leblos oder matschig wirkt. Die dunklen Punkte im farbigen Mandala-Teil auf der Arminnenseite wurden ausschließlich durch Sondermischungen von Rot mit der passenden Komplementärfarbe erzeugt. Dadurch unterstützen sich die Rottöne, Orange und Gelb gegenseitig und verleihen dem Arm eine feurige Leuchtkraft, die an buntes Herbstlaub erinnert.




