„Es handelt sich um eine Meinungsäußerung im Sinne des Art. 5 Abs. 1 Satz 1 GG.“ — Bundesverfassungsgericht, Beschl. v. 17.05.2016 - 1 BvR 2150/14
Mumie Horror Tattoo – Das düstere Front-Piece
Die Grabkammer auf der Haut
Was ist ein schönes Dark Art Tattoo ohne einen gepflegten Input von Horror? Stell dir vor, du bist in einer Grabkammer, am besten tief unter der Erde und muffig. Jetzt haben wir schon einmal Horror. Wenn das in Laken gewundene Skelett anfinge zu leben, dann hätten wir Horror hoch zwei. Käme das nicht in dem Sinne an ein Alien heran, das die Crew im Weltraum abschlachtet? Also so schön ohne Möglichkeit der Flucht. Der Gedanke der Flucht ist wohl etwas abwegig, das Alien ist nicht gerade langsam. Eher ziemlich schnell. So schnell waren wir mit dem Projekt, die Mumie als Horror-Tattoo zu verewigen, nicht. Das war eigentlich eine längere Geburt.
Tattoo-Pause und die Frage der Meinungsfreiheit
Die Rückkehr nach der Pause
Eine Tattoo-Pause ist eine Sache, die sich bei Tätowierten durchaus mal einstellt. Die kann auch mal entspannte 18 Jahre oder so dauern. In diesem Fall war es nicht ganz so lange. Und es sollte auch nicht sofort eine Mumie auf die andere Brustseite des Jahre davor mit einem Alien verzierten Torsos. Als Erstes stellte sich die Frage, wie man denn den Bauch mit einem gepflegten A.C.A.B. verschönern könne. Für den, der es nicht weiß: A.C.A.B. ist eine Formulierung, die durchaus dem einen oder anderen in der Vergangenheit juristischen Ärger gebracht hat.
Das juristische Fundament auf dem Bauch
Schließlich steht A.C.A.B. dem Eingeweihten für „All Cops Are Bastards“. Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes durchaus eine Frage der Meinungsfreiheit, solange es sich nicht um eine Beleidigung oder Kollektivbeleidigung handelt. „Die Parole ‚A.C.A.B.‘ ist nicht von vornherein offensichtlich inhaltlos, sondern bringt eine allgemeine Ablehnung der Polizei und ein Abgrenzungsbedürfnis gegenüber der staatlichen Ordnungsmacht zum Ausdruck. Es handelt sich um eine Meinungsäußerung im Sinne des Art. 5 Abs. 1 Satz 1 GG.“ (BVerfG, Beschl. v. 17.05.2016 – 1 BvR 2150/14). Einige Tattoo-Cover-ups in der Vergangenheit wären bestimmt nicht zustande gekommen, wäre diese Rechtslage schon früher bekannt gewesen.
Vom Sporthund zum kosmischen Grauen
Das Dilemma mit dem Pitbull-Logo
Eigentlich ist es nur naheliegend, dass es vom Hund zum Knochen nicht weit ist. Was für ein Hund denn? Wie komme ich auf einen Hund? Der Hund war eigentlich die erste Idee für die rechte Seite des Brustkorbs, gegenüber von dem Alien in Seitenansicht, schön mit ausgestreckter Zunge. Der Hund war in dem Fall ein American Pitbull. Und der wiederum ist das Logo für einen Sportverein, Schwerpunkt Gewichtheben. Nur gab es ein Dilemma: Einerseits sollte da durchaus noch das eine oder andere Tattoo in der Zukunft entstehen. Andererseits war dieser Pitbull durch die Form des Logos nicht so ganz das Optimale.
Die Grenzen der Anpassung
Weiterhin war da doch das Alien. Ich habe versucht, den Pitbull in eine Form zu bringen, die sich der des Alien-Tattoos anpasst. Aber in dem Fall bin ich nicht so ganz auf den Punkt gekommen. Das ist leider das Problem, wenn man verschiedene Elemente unter einen Hut bringen will. Irgendwo ist immer eine kleine Ecke. Und schließlich kam es dazu, dass der Träger sich von dem Hund entfernte und sich eine andere Lösung abzeichnete. Wenn auf der einen Seite in das Alien-Tattoo schon Horror mit hineingeflossen war, warum dann nicht auf der anderen Seite auch ein Horrorfilm-Element verwenden? Die Mumie? Gerne, why not!
Die Symmetrie des Schreckens beim Mumie Horror Tattoo
Körperdynamik und Silhouette
Um den Körperfluss zu berücksichtigen, besonders durch den Trenner des A.C.A.B., musste eine gewisse Gleichseitigkeit, will heißen Spiegelung, gestaltet werden. Denn nachdem sich die Tattoos an der Körperdynamik orientieren, sollte man das nicht einseitig gestalten – außer das ist von Anfang an so geplant, wie bei einem Biomechanik-Front-Piece. Das kann man machen, wenn man ein Tattoo von Anfang an eigenständig aufbaut. Deswegen hieß es hier, die Silhouette des Aliens abzunehmen und dementsprechend die Mumie im Großen und Ganzen in den Grenzen des Aliens zu fertigen. Und auch wenn nun das Problem, eine Seitenansicht zu einer Dreiviertelansicht umzuwandeln, nicht von der Hand zu weisen war.
Die Streckung des Motivs
Was mit der Ansicht daherkam, war natürlich auch, dass es sich bei dem Alien-Tattoo um einen der Form nach länglichen Körper handelt. Das kann man von einer Mumie nicht so unbedingt sagen. Und auch wenn der zu einem Schrei verzogene Mund sehr weit auseinandergerissen wurde, um die Höhe in gewissem Umfang zu erreichen, musste da noch etwas darüber. Für Anubis, den Totengott, war der Platz leider nicht optimal. Seine Schnauze ist zu schmal, die Form des Kopfes ist zu hoch – besonders die Ohren.
Eine Nacktkatze für den Totengott
Und was mögen die Ägypter seit Gedenken am liebsten? Katzen. Göttlich. Und oftmals als Grabbeigabe und als Mumie den Toten beigefügt. Also ran an die Katze – Nacktkatze, um genauer zu sein. Als Mumie, etwas zerfressen. Dass Katzen auch ganz anmutig, wie eine Statue, hätten integriert werden können, wie in dem anderen Katzen-Projekt, nun, darauf sind wir aufgrund der Ausrichtung als Dark Art Tattoo nicht gekommen. Schöne Dinge bekommt, wer bekommen will, und Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters.
Zusammenfassung: Technik und Anatomie – Mumie Horror Front-Piece
Projekt-Historie: Fortführung eines großflächigen Oberkörper-Konzepts nach einer mehrjährigen Tattoo-Pause; symmetrische Ergänzung der bereits bestehenden Alien-Brustseite durch ein korrespondierendes Mumien-Motiv sowie Platzierung eines markanten A.C.A.B.-Schriftzugs auf dem Bauch.
Anatomische Anpassung: Millimetergenaue Anpassung der Mumien-Silhouette an die organischen Flusslinien der gegenüberliegenden Alien-Tätowierung; Erzeugung einer harmonischen Körperdynamik und Gleichseitigkeit (Spiegelung) auf dem Torso trotz des Wechsels von einer reinen Seitenansicht zu einer Dreiviertelansicht.
Narrative Metamorphose: Verschmelzung von klassischem Grabkammer-Horror und ägyptischer Mythologie; visuelle Streckung des kompakten Mumienkörpers durch einen extrem weit aufgerissenen, schreienden Mund, der im oberen Schulterbereich in eine zerfressene Mumien-Nacktkatze als göttliche Grabbeigabe übergeht.
Strategische Flussrichtung: Nutzung des typografischen Bauch-Tattoos als optischer Trenner und Ankerpunkt im Zentrum des Torsos; vertikale Ausrichtung der Schattierungen, um die breite Brustpartie anatomisch perfekt zu rahmen, ohne die natürliche Bewegung der Muskelstränge zu brechen.
Handwerkliche Herausforderung: Kompositionelle Problemlösung bei limitierten Platzverhältnissen, da die hohe Schädelform des ursprünglich angedachten Totengottes Anubis (insbesondere die schmale Schnauze und die Ohren) die Symmetrie gestört hätte; präziser Einsatz von dichten Texturen und tiefen Black-and-Grey-Schattierungen zur Darstellung der verfallenen Laken und der morbiden Katzen-Struktur.
F.A.Q. – Mumie & Horror Tattoos
Warum wurde die Mumie an die Silhouette des bestehenden Alien-Tattoos angepasst?
Bei großflächigen Arbeiten auf der Brust oder dem gesamten Torso ist die Berücksichtigung der Körperdynamik essenziell. Da auf der einen Brustseite bereits ein Alien in Seitenansicht platziert war, musste für ein harmonisches Gesamtbild eine Symmetrie erzeugt werden. Wir haben daher die äußere Silhouette des Aliens abgenommen und die neue Mumie in einer Dreiviertelansicht exakt in diese Grenzen eingepasst, um trotz unterschiedlicher Motive eine perfekte optische Balance auf dem Körper zu schaffen.
Warum wurde eine Nacktkatze statt des Totengottes Anubis gewählt?
Der Platz im oberen Brust- und Schulterbereich war anatomisch stark limitiert. Die Kopfform des Totengottes Anubis ist durch die lange, schmale Schnauze und die hochstehenden Ohren sehr steil, was zu optischen Brüchen in der Silhouette geführt hätte. Als perfekte, historisch und thematisch stimmige Alternative wurde eine mumifizierte, leicht zerfressene Nacktkatze integriert. Im alten Ägypten waren Katzen göttlich und wurden den Toten oft als Grabbeigabe beigefügt, was sich perfekt in das Dark-Art-Konzept einfügt.
Wie verhält sich die Tätowierung bei der Abheilung und Bewegung auf dem Torso?
Der Torso und die Bauchgegend sind permanent in Bewegung (Dehnung beim Strecken, Stauchung beim Sitzen). Durch die strategische Platzierung des Schriftzugs auf dem Bauch und das präzise Ausrichten der Motivgrenzen entlang der natürlichen Muskel- und Gewebelinien verzieht sich das Motiv bei Bewegung nicht unvorteilhaft. Die dichten Kontraste des Black-and-Grey-Stils sorgen zudem dafür, dass die Texturen der Mumienlaken auch nach Jahren der Hautbewegung scharf und plastisch bleiben.
Kann ich ein bestehendes Motiv auf meiner Brust im gleichen Stil erweitern lassen?
Ja, absolut. Genau das ist der Kern von echtem Custom-Work. Auch nach jahrelangen Pausen können bestehende Tätowierungen vermessen, analysiert und durch ein perfekt darauf abgestimmtes Gegenstück auf der anderen Körperhälfte ergänzt werden. Wir arbeiten ohne starre Schablonen, sodass der neue Teil die Linienführung und den Kontrast des Altbestands organisch aufgreift und zu einem fließenden Gesamtkunstwerk verbindet.



