Stilmix als Werkzeug
„Japan und Dotwork in inniger Umarmung? Schließt sich das bei einem Tattoo nicht gegenseitig aus? Es ist für mich wie ein Werkzeug, das weiß man einzusetzen, wenn man mal damit gearbeitet hat.“
— Raul Beyer über den Japan Dotwork Rabenschädel
Japan Dotwork Rabenschädel Tattoo: Wenn Stile sich umarmen
Name ist Programm: „Mein Name ist Rabe“
In dem Fall heißt es nicht „mein Name ist Hase“. Nein, der Name ist Rabe. Und deswegen wird gewünscht, einen Rabenschädel Tattoo auf der Brust zu haben. Aber was soll man sich jetzt darunter mal wieder vorstellen, Japan und Dotwork in inniger Umarmung? Schließt sich das bei einem Tattoo nicht gegenseitig aus? Wenn man das aus einem traditionellen Bereich betrachten würde, dann sind Dot-Work Tattoos eigentlich nicht unbedingt aus Japan. Woher wirklich, da wird drüber viel geredet. Das interessiert mich allerdings recht wenig, da bin ich pragmatisch. Viele Leute erzählen viel.
Dotwork als Werkzeug der Erfahrung
Meine Dotwork-Phase war damals um die 2003 herum, als ich Mandalaformen in dieser Art verspult habe. Und auch wenn ich die Entwicklungen in dem Bereich sehr interessant finde: es ist für mich wie ein Werkzeug, das weiß man einzusetzen, wenn man mal damit gearbeitet hat. Aber trotzdem stellt sich mir die Frage nach dem Stilmix: Und dann auch noch zusammen mit einem Rabenschädel? Ungewöhnlich, I like it. Ich werde mit dem Bild eines Rabenschädels beehrt. Eigentlich besser gesagt, eines Raben Totenschädels mit Flügeln. Für grobe Orientierungen bin ich ja immer dankbar, gerade bei dieser Art eines Tattoos.
Anatomie und Platzierung: Der Rahmen der Brust
Die nächste Ansage war der Ort des Tattoos, natürlich. Auf die Brust. Ich mag Tattoos, die die Brust ausfüllen. Allerdings muss man dabei auch ein wenig darauf achten, dass das Tattoo in den Rahmen passt. Wenn das zu klein ist wird der Rahmen zu groß. Das Tattoo wirkt dadurch oft verloren. Ist es zu groß, wird der Rahmen gesprengt. Nachdem auf dem einen Deltamuskel bereits ein Tattoo war musste der Rahmen teilweise gesprengt werden. Schließlich sollte das Hauptelement in dem Tattoo der Rabenschädel sein. Aber die Flügel sollten natürlich auch nicht fehlen. Um diese ins Verhältnis zu setzen, war der Plan meinerseits die Flügel anzuschneiden. Um sie dem Rahmen entsprechend in die korrekte Größe zu setzen, im Verhältnis zum Schädel.
Das Element Luft: Wolken, Spiralen und Glückszahlen
Jetzt hat der gepflegte Rabe natürlich sein Element. Die Luft, klar. Beim toten Raben riecht sie vielleicht etwas lustig, aber das stört das Tattoo ja nicht. Vielleicht funktioniert das als Entschuldigung, nach ungewaschenen Tagen? Mein Rabe ist schuld!? Wer weiß? Zurück zur Luft, wolkig sollte sie einerseits sein. Aber andererseits auch mit Spiralen. Nachdem wir schon Spiralen am Unterarm verbastelt hatten, um mehreren kleinen Einzeltattoos einen Hintergrund zu gestalten, war das recht schnell klar für meinen Kunden: Sowas sollte auch auf der Brust hin. Und das zusätzlich mit einem Dreieck. Ich erinnere mich an etwas mit der Glückszahl 3. Das Dreieck war schnell logisch aufgebaut. Spitze an der Drosselgrube, der Stelle zwischen den Schlüsselbeinen und die Nippel die seitlichen Ecken.
Die Herausforderung: „Keine freie Haut“ im japanischen Stil
Was bei dem Ganzen auch noch mit angesagt wurde, war „keine freie Haut“. Das ist im japanischen Tattoo Stil durchaus immer mal wieder gebräuchlich. Auch wenn man es eher selten sieht, da es verhältnismäßig schwierig ist, das helle Grau so zu stechen, dass es nicht insgesamt zu dunkel wird. Schließlich ist Kontrast wichtig, gerade bei japanisch orientierten Tattoos! Man muss sich daran erinnern, woher die Art der japanischen Tattoos herrührt. Sie ist eng verbunden mit der Kunst des Farbholzschnitts. Wenn jemand keine freie Haut will müssen auch die hellsten Flächen mit einem leichten Grau gefüllt werden. Schließlich sollen sie nicht einfach Hautfarben bleiben.
Der Stilmix: Das Dreieck als Dotwork-Störer
Stilmixe mag ich ja persönlich bei Tattoos immer gerne. Sie machen das Tattoo zu etwas einzigartigem. Die Konzeption hat schon fast etwas Old-School-mäßiges, zusammen mit den anderen Stilelementen durchaus interessant. Etwas, das sich definitiv auf den Träger bezieht und vom Trend abhebt. In dem Fall schlug ich vor, das Dreieck mittels Dot-work von den gleichmäßigen grauen Flächen abzuheben. Um Das Rabenschädel Tattoo noch ein wenig aufzulockern und das Dreieck als „Störer“ zu verwenden. Einerseits wollte ich es außerhalb des Dreiecks eher dunkel halten. Andererseits innerhalb das Dreieck eher hell ausarbeiten. Letztendlich um auch dort einen Kontrast zu dem dunklen Schnabel aufzubauen.
Highlights und Tiefe durch weiße Akzente
In dem Fall bot es sich wegen der Größe des Dreiecks an, Highlights mittels weißer Dots zu setzen. Mit dem Ziel die darunter liegenden Strukturen, wie die Federn, oder den Rabenschädel noch ein bisschen abzusetzen. Um den Raben noch ein wenig aufzuhellen wurden auch in den Flügeln und im Schädel selbst Stellen mit Weiß als Highlight gesetzt. Kontrast hoch, um das Tattoo nicht komplett ins Dunkle abdriften zu lassen.
Dynamische Erweiterung: Wenn Wolken Berghänge herabgleiten
Das Rabenschädel Tattoo wurde dann später auf den rechten Arm erweitert. In dem Sinne dem Raben Flügel verliehen Hierbei ist es am Besten die Bilder für sich sprechen zu lassen, die Analyse der Verläufe wäre durch die nunmehr ohne Dotwork, dafür im japanischen Stil sehr ausgefallenen Wolkenstrukturen, die Federn mit sich tragen äußerst aufwendig. Im wesentlichen kann gesagt werden, dass der Teil, der die vorher gestutzten Flügel auf den Deltamuskel überleitet in den dynamischen Teil des Tattoos überleitet. Unter anderm inspiriert von der Art, wie Wolken Berghänge heruntergleiten ist die Form der Wolken eher fließend, was unter anderem den mitgewehten Federn geschuldet ist. Und der Rest ist eben dynamisch..
Emilio Rabe
0 Rezensionen • 0 Fotos„Raul ist ein Hammer Künstler. Gehe seit Jahren ins IT for Life und bin mit meinen Tattoos mehr als zufrieden, er schafft individuelle Werke die aus der Masse hervor stechen und einfach mega sind, zu dem kann man sehr gute und tiefgründige Gespräche mit ihm führen und die Preise sind auch Fair. Einfach Spitze.“
Zusammenfassung & F.A.Q.
Zusammenfassung: Das „Japan Dotwork Rabenschädel Tattoo“ auf der Brust ist ein meisterhafter Stilmix, der die flächige Ästhetik des japanischen Farbholzschnitts mit präziser Dotwork-Technik verbindet. Das zentrale Element, ein Rabenschädel in einem geometrischen Dreieck, wird durch den Verzicht auf freie Hautflächen und den gezielten Einsatz von Kontrasten und weißen Highlights betont. Die spätere Erweiterung auf den Arm nutzt fließende, japanische Wolkenstrukturen, um eine dynamische Verbindung zum Bruststück zu schaffen.
F.A.Q.
Kann man japanischen Stil und Dotwork kombinieren? Ja, absolut. In diesem Projekt dient Dotwork als moderner „Störer“, um geometrische Formen (wie das Dreieck) von den traditionellen, flächigen Schattierungen des japanischen Stils abzuheben und zusätzliche Tiefe zu erzeugen.
Was bedeutet „keine freie Haut“ bei diesem Tattoo? Das bedeutet, dass jede Stelle des Tattoos mit Pigment gefüllt ist. Selbst die hellsten Lichtpunkte werden mit einem sehr hellen Grau schattiert, statt die natürliche Hautfarbe stehen zu lassen. Dies erfordert höchste Präzision, um den Kontrast zu wahren.
Wie wurde die Erweiterung auf den Arm gelöst? Die ursprünglich angeschnittenen Flügel auf der Brust wurden durch fließende Wolkenstrukturen im japanischen Stil auf den Oberarm übergeleitet. Das Design ist von der Dynamik inspiriert, mit der Wolken Berghänge herabgleiten.






