Clowns Tränen Tattoo
Hinter den Kulissen: Die Motivsuche und das echte Leben
„Ein Clown ist das Symbol für das Bizarre, für das Traurige, für die Absurdität. Ein Clowns Gesicht, das aus dem Inneren eines Schädels von einer Hand mit Tattoomaschine eine Träne tätowiert bekommt, ist das noch Absurd?“
— Roald Beyer (Raul), über die Faszination von Sulci, Fossae und Aleae
Die Schönheit der Anatomie und das Prinzip der Bionik beim Clown Unterarm Tattoo
Anatomie ist doch was Wunderschönes. An die ausgeprägten Feinheiten der Anatomie kommt kein Künstler, kein Architekt heran. Das Beste, was man machen kann, ist die Schönheit der Natur zu bewundern und sich im besten Fall daran zu orientieren. Denn, wenn man es philosophisch betrachtet, ist es Aufgabe des Menschen, sich an der Schönheit der Natur zu erfreuen. Das hat schon Immanuel Kant mit der Formulierung des „interesselosen Wohlgefallens“ postuliert, wie auch schon andere vor ihm. Natürlich gibt es da auch ein paar abweichende Meinungen, aber mit denen wollen wir uns im Moment jetzt gerade nicht auseinandersetzen.
Das interdisziplinäre Forschungsfeld und der Kundenwunsch des Clowns Tränen Tattoo
Bionik ist ein Bereich der Wissenschaft, der sich mit dem Übertragen von Elementen der Natur auf technische Erfindungen beschäftigt. Es ist ein übergreifendes Forschungsfeld, das Naturwissenschaftler, Ingenieure, Architekten, Philosophen und Designer zusammen vereint. Als einer der historischen Vordenker der Bionik wird oftmals Leonardo da Vinci genannt, der seine Beobachtungen zum Vogelflug in die Entwicklung seiner Flugmaschinen münden ließ. Diesen hohen Ansprüchen konnte ich natürlich nicht genügen. Ich saß da mit dem Modell eines Totenschädels und sinnierte über das Leben – über die Absurdität, über die traurige Clownerie des Alltags. Über die vergossenen Tränen der Tragödie und ihre Versinnbildlichung in individuellen Tattoos. Und das machte ich nicht, weil ich gerade einen schlechten Moment hatte, sondern weil mich mein Kunde darum gebeten hatte.
Die Motivkomposition und die Geometrie des Unterarms
Er wollte als Motiv einen Clown haben. Als Custom Tattoo. Dieser Clown sollte einerseits fröhlich sein, andererseits sollte ihm die Traurigkeit in das Gesicht geschrieben stehen. Darüber hinaus sollte eine Tätowiermaschine mit in dem Tattoo verarbeitet sein und, soweit machbar, ein Totenkopf. Darüber hinaus das Ganze an den Unterarm gesetzt, auf der Innenseite. Jedes der einzelnen Elemente wäre ausreichend, ein eigenes Motiv darzustellen. Auch ist der Unterarm nicht dafür bekannt, dass er der breiteste Teil des Körpers ist. Also war der Ansatz, auf diesem schmalen Streifen eine Anzahl von Motiven zu vereinen, eigentlich die Bitte, wahllos Motive übereinander oder nebeneinander zu stapeln.
Die philosophische Parallele zu Shakespeares Hamlet
Somit machte die Kombination es mal wieder notwendig, sich ein bisschen Gedanken zu machen. Und da saß ich nun. Einen Totenkopf in der Hand, wie einst Hamlet. Und auch wenn der Clown, über den ich sinnierte, nicht Yorick hieß und ich nicht theatralisch von unserer Bekanntschaft weinte oder vor mich hin exklamierte: „Sein oder nicht sein, das ist hier die Frage“, die Situation war ernst. Somit bewunderte ich ernsthaft die Fossa cranii anterior und Fossa cranii media und das Os sphenoidale. Klar, das Os Sphenoidale, was denn sonst? Keilbein tut es auch. Vielleicht sollte ich noch sagen, dass ich den Schädel aufgeklappt hatte, um mir einen besseren Blickwinkel zu eröffnen. Denn manchmal ist es besser, sich in Sachen hineinzuversetzen.
Die Entdeckung der Gehirnwindungen im Schädelmodell
Gut, nicht in jeden Schädel sollte man hineinschauen wollen, aber dieser war ja schließlich als Modell dafür gemacht worden. Um nicht nur eine oberflächliche Betrachtung zu versuchen. Es bot sich richtiggehend an, hineinzuschauen und natürlich über die Vergänglichkeit alles Seins zu meditieren. Als ich mir den Schädel mal aus dieser Perspektive genauer anschaute, konnte ich gar nicht umhin, das Wunder der Natur zu feiern. Schon mal von den Gyri gehört? Wenn nicht, dann ist das auch okay, die funktionieren auch, wenn man sie nicht bezeichnen kann. Das sind nämlich unsere Gehirnwindungen. Und die sind unterbrochen durch Fissurae (Furchen) und Sulci (Gräben). Und dort, wo so ein Graben ist, da ist auf der anderen Seite eine Knochenerhebung in der Schädelstruktur.
Die Transformation anatomischer Strukturen in Clownselemente
Das wären dann die Juga cerebralia, gleich neben den Impressiones digitatae, die an die Gyri angrenzen. Damit das Hirn so wenig wie nur möglich in der Gegend rumschubbert. Und wie ich das da so ansah, konnte ich mich nicht wehren, in den Alae minores ossis sphenoidalis zwei wunderschöne, hochgezogene Clownsaugenbrauen zu sehen. Und von da ab gab es kein Halten mehr. Wieso einen weiteren Totenschädel, wenn schon die Hände mit Totenschädeln verziert worden waren? Also, warum einen Totenschädel von vorne, wie bereits gemacht und nicht etwas anders? Nämlich mit Blick von oben und hinten? Die Kauleiste nur als rückseitiger Ausschnitt und nicht als strahlendes Lächeln?
Die gestalterische Umsetzung und die Symbolik des Bizarren
Den Clown dorthin packen, wo er eigentlich sitzt, nämlich im Kopf? Für die weitere Konzeption schlug ich vor, die Tätowiermaschine in Anlehnung an das Werk „Drawing Hands“ von M. C. Escher mit einer Hand darzustellen, die sie hält. Schön dreidimensional, mit Perspektive von oben. Sie ist die traurige Seite des Clowns, sie tätowiert dem Clown das Gesicht mit einer Träne unter dem Auge. Und die andere Seite ist die fröhliche Seite. Nun, ganz fröhlich ist es wohl nicht, wenn der Mundwinkel mit einem Daumen in der Wange nach oben gedrückt wird. Aber nun, es ist ein Clown – Symbol für das Bizarre, für das Traurige, für die Absurdität. Wenn nicht bei einem Tattoo von einem Clown, wo dann?
Zusammenfassung: Technik und Symbolik – Clowns-Tränen-Tattoo
Stilistik & Motiv: Anatomisch modifizierte Adaption eines bizarren Clowns-Motivs im tiefen Black-and-Grey-Stil; Fusion aus tiefgründiger Melancholie, einer dreidimensionalen Tätowiermaschine im Stile M. C. Eschers und subtiler Totenkopf-Symbolik.
Anatomische Flussoptimierung: Maßgeschneiderte Anpassung an die schmale Silhouette der Unterarm-Innenseite; funktionale Nutzung der inneren Schädelanatomie (Os sphenoidale und Alae minores) als Grundlage für die Gesichtszüge des Clowns zur Vermeidung einer wahllosen Motiv-Stapelung.
Hierarchisches Layering: Visueller Fokus auf die Dualität des Gesichts (erzwungene Fröhlichkeit durch den Daumendruck in die Wange versus die aktiv tätowierte Träne); räumliche Tiefenwirkung durch den unkonventionellen Schädelblick von oben und hinten samt rückseitiger Kauleiste.
Künstlerische Abgrenzung: Bewusste Verweigerung gegenüber standardisierten, oberflächlichen Tattoo-Trends zugunsten eines unkopierbaren, philosophisch durchdachten Custom-Unikats, das die klassischen Gesetze der Bionik auf die Körperkunst überträgt.
F.A.Q. – Anatomie des Clowns-Tränen-Tattoos
F: Warum kann eine Vielzahl von komplexen Einzelmotiven nicht einfach wahllos auf der Innenseite des Unterarms platziert werden?
Antwort: Der Unterarm ist nicht dafür bekannt, der breiteste Teil des Körpers zu sein. Der Ansatz, einen Clown, eine Tätowiermaschine, eine Hand und einen Totenkopf auf diesem schmalen Streifen zu vereinen, würde bei einer bloßen Aneinanderreihung zu einem optisch überladenen „Stapeln“ führen. Das Design löst dieses Problem durch bionische Integration: Die Motive verschmelzen intelligent miteinander, indem sie die vorhandenen anatomischen Strukturen des Arms nutzen und sich der schmalen Fläche organisch anpassen.
F: Wie wird die klassische Totenkopf-Symbolik in diesem Tattoo neu und unkonventionell interpretiert?
Antwort: Statt des typischen, von vorne strahlenden Totenkopf-Lächelns blickt der Betrachter hier von oben und hinten in einen aufgeklappten Schädel. Die Kauleiste ist lediglich als rückseitiger Ausschnitt sichtbar. Das Besondere: Der Totenkopf wird nicht als separates Element neben den Clown gesetzt, sondern der Clown wird dorthin gepackt, wo er eigentlich sitzt – mitten in den Kopf, geformt aus den realen Knochenstrukturen.
F: Wie nutzt das Design die reale Schädelanatomie für die optische Täuschung des Clownsgesichts?
Antwort: Das Kunstwerk bettet die anatomischen Gegebenheiten des Knochens direkt in die Mimik des Clowns ein. Die Knochenerhebungen der Juga cerebralia und die Impressiones digitatae grenzen perfekt an die Gehirnwindungen an. In den kleinen Keilbeinflügeln (Alae minores ossis sphenoidalis) entstehen so ganz natürlich zwei wunderschöne, hochgezogene Clownsaugenbrauen, wodurch die Anatomie selbst das Gesicht der Figur formt.
F: Welche Rolle spielt die Tätowiermaschine in der paradoxen Symbolik von Traurigkeit und Fröhlichkeit?
Antwort: Die Tätowiermaschine bildet in Anlehnung an Eschers Werk „Drawing Hands“ das emotionale Zentrum der Tragödie. Gehalten von einer plastischen Hand, verkörpert sie die aktive Melancholie: Sie ist es, die dem Clown die charakteristische Träne direkt unter das Auge zeichnet. Die „fröhliche“ Gegenseite hingegen ist eine Illusion – ein bizarrer Kontrast, bei dem der Mundwinkel lediglich durch einen Daumen in der Wange mechanisch nach oben gezwungen wird, um die Absurdität des Alltags zu versinnbildlichen.

