„Ein Tattoo ist ein dynamischer Teil des Körpers. Wenn japanische Wellendynamik mit der Silhouette eines Rattenkopfes verschmilzt, bricht das Custom-Design bewusst mit starren Grenzen, um als fließendes Bindeglied Gesäß und Rücken anatomisch perfekt zu vereinen.“
— Roald Beyer über die große Rattenwelle und den Fluss des Irezumi
Japanisches Tattoo München
Die große Welle von Kanagawa: Ein japanisches Meisterwerk auf der Kehrseite
Wenn Kunstgeschichte auf die Hinterbacke trifft in einem Custom Wellen Tattoo
Kommst Du nicht auch manchmal auf den Gedanken, was wäre wenn? Und es gibt so viele Wenns. Da kommt man ganz und gar ins Sinnieren. Was wäre, wenn es die große Welle von Kanagawa von Katsushika Hokusai nicht gegeben hätte?
Sie dürfte als das repräsentative japanische Werk schlechthin gelten. Auch wenn sie als klassischer Farbholzschnitt von einer gewissen farblich getrennten, puristischen Schlichtheit ist, drückt sie so viel aus. Als Ausdruck der Gewalt der Natur türmt sich diese Welle über mehreren Fischerbooten auf und droht sie zu überfluten.
Die Dynamik einer internationalen Ikone
Alleine der im rechten Bereich aufwallende Wellenkamm hat eine mitreißende Dynamik, der man sich kaum entziehen kann. Und die große Welle hat den Status einer internationalen Ikone erreicht. Und dabei ist das Werk gar nicht so groß. Mit gerade mal 25 mal 37 Zentimetern sitzt man die große Welle sozusagen auf einer Backe ab.
Und jetzt stellen sich so viele Fragen. Wieso lässt sich jemand eine Welle auf die Hinterbacke tätowieren? Okay, zugegeben, die Dynamik wie Hokusai kann ich dort nicht aufbauen. Das muss an den bereits gefertigten Rücken angepasst sein.
Custom Wellen Tattoo, ein neues Motiv im Fluss mächtiger Cover-ups
Und dieser Rücken ist ein Fullback-Tattoo, mit einer Geisha umwirbelt von Wellen, mit einem Koi oben auf dem linken Schulterblatt – ein massives Cover-up. Auch das Tattoo auf der Hüfte war ein Cover-up. Die neue Welle auf dem Gesäß hingegen verbindet diese beiden transformierten Baustellen als eigenständiges Kunstwerk.
Was treibt uns also zu einer Welle, die bei genauem Hinsehen nicht nur die Form eines Rattenkopfes hat, sondern auch lauter kleine Ratten mit sich schwemmt? Die Antwort kann nur mit Blick auf das zuvor bei einem anderen Tätowierer erfolgte Tattoo auf der Hüfte erfolgen. Dort wurde in japanischer Ausführung eine Katze mit einer Ratte im Maul verewigt. Wie eine Katze mit einem Tierchen im Maul eben so ist: sehr zufrieden.
Die Metamorphose: Von Wellen und Nagetieren
Wenn Ratten zu brechenden Wellen werden durch ein Custom Wellen Tattoo
Und dann kam die Trägerin auf den Gedanken, das ließe sich doch wunderbar mit ein paar mehr Ratten erweitern. Jetzt muss ich ehrlich sagen, dass ich ins Schlingern gerate. Ich weiß noch, eine Zeichnung von einer Katze gezeigt bekommen zu haben, die auf dem Rücken im Fell die Schemen von vielen kleinen Ratten hatte.
Auf ihre Art und Weise erinnerten diese Ratten selbst an eine Welle, die über den Kopf der Katze bricht. Und wir hatten bereits den Rücken großflächig mit dem Hauptelement Wasser unterstützt. Die in Frage kommende Fläche sollte die rechte Hinterbacke sein.
Anatomische Anpassung im ovalen Fluss
Aufgrund der Form war es eigentlich zwingend, dass es sich um etwas Rundes oder ansässig Ovales handeln müsse, um nicht die Form zu zerstören. Es sollte nicht weiter auf die Beine gehen, auf der Hüfte war das limitierende Element eben die Katze.
Um aber trotzdem das Wunschmotiv, lauter Ratten, mit einbinden zu können, war es meiner Meinung nach nicht ausreichend, sie lediglich in Flussrichtung in die Wellenform zu integrieren. Nein, dann musste auch die Welle, der Wellenkopf, aus einer Ratte bestehen. Mit auseinandergerissenen Hauern, in sanftem Grau, mit nur geringem Kontrast zum in der Wellenspirale fließenden Hintergrund.
Strategische Planung für zukünftige Erweiterungen
Denn selbst wenn es nicht geplant war, für den Fall, dass es doch noch einmal weitergehen sollte, wäre das die weitere Flussrichtung. Mal abgesehen von dem Motiv – man sieht sich einfach nur die süßen putzigen Öhrchen an und die kleinen süßen Schnauzen – gab es bei der Sache einige Lerninhalte.
Eine Sache, die man definitiv sagen kann: Durch die Nachbarschaft zum Ischiasnerv ist diese Stelle definitiv nur etwas für Harte. Na, eigentlich das Gegenteil, für ganz Weiche. Die Tendenz, an dieser Stelle durch ausgeprägtes Nervenzucken beim Tätowieren in ganz eigene Berge und Täler zu fallen, ist beachtlich.
Anatomie des Schmerzes: Trampolin auf dem Gesäß
Wenn der größte Muskel des Körpers zuckt
Der Musculus Gluteus Maximus ist nicht umsonst der größte Muskel des Körpers. Und wenn der sich mal spontan durch Nervenimpuls zusammenzieht, hui, da springt man ganz schön Trampolin mit der Hand, und die Maschine mal besser mit.
Es sei denn, es soll sich ein bleibender Eindruck durch spontanes, verstärktes Einstechen ergeben. Wir haben diese Sache aber doch ganz gut gemeinsam hinter uns gebracht. Und selbst wenn man kein Freund von Ratten sein sollte: Das Ergebnis lässt sich doch sehen.
Zusammenfassung: Technik und Anatomie – Custom Wellen Tattoo
Projekt-Historie: Erststich und maßgeschneiderte Custom-Erweiterung auf unbeschriebener Haut; strategische Zusammenführung und optischer Lückenschluss zwischen zwei bereits vorhandenen, massiven Cover-up-Baustellen (Fullback-Rücken mit Geisha/Koi und Hüft-Katze).
Anatomische Anpassung: Gezielte Platzierung eines rund-ovalen Bildaufbaus auf der rechten Hinterbacke; exakte Konturenwahrung zur Vermeidung von Verzerrungen der Gesäß-Silhouette ohne unvorteilhaftes Abdriften auf die Beine.
Narrative Metamorphose: Transformation der klassischen japanischen Wellendynamik in ein erzählerisches Custom-Element; der Wellenkopf formt sich in sanften Graustufen zu einem großen Rattenkopf mit aufgerissenen Hauern, der nahtlos in einen Strom aus kleinen, mitschwimmenden Ratten übergeht.
Strategische Flussrichtung: Komposition des Hintergrunds mit minimalem Kontrast und offener Linienführung an den Motivgrenzen zur proaktiven Gewährleistung zukünftiger Erweiterungen im Irezumi-Fluss.
Neurologische Herausforderung: Meisterung extremer Arbeitsbedingungen durch die unmittelbare Nähe zum Ischiasnerv; Kompensation unwillkürlicher, heftiger Nervenimpulse und Kontraktionen des Musculus Gluteus Maximus durch hochflexible, synchrone Hand- und Maschinenführung.
F.A.Q. (Häufige Fragen zu diesem Projekt)
Wie ordnet sich das neue Gesäß-Tattoo in die bestehenden Rücken- und Hüftarbeiten ein? Das Tattoo auf der rechten Hinterbacke ist kein Cover-up, sondern eine maßgeschneiderte Custom-Erweiterung. Es fungiert als verbindendes Element zwischen dem bereits vorhandenen, großflächigen japanischen Rücken-Cover-up (Geisha & Wellen) und einem älteren Katzen-Tattoo auf der Hüfte, indem es das erzählerische Motiv der Ratten in einer fließenden Wellenform aufgreift.
Warum wurde für den Wellenkamm die organische Form eines Rattenkopfes gewählt? Um das Wunschmotiv – lauter kleine Ratten – harmonisch in den dynamischen Fluss des bereits bestehenden Irezumi-Hintergrunds einzubinden. Anstatt die Tiere nur stumpf in die Wellen zu setzen, wurde die gesamte Wellenspirale so modelliert, dass der Hauptwogenkamm optisch die Form eines großen Rattenkopfes mit feinen Graustufen annimmt.
Warum gilt das Tätowieren auf dem Musculus Gluteus Maximus als besondere Herausforderung? Aufgrund der unmittelbaren Nähe zum Ischiasnerv neigt der große Gesäßmuskel (Musculus Gluteus Maximus) bei mechanischen Reizen zu ausgeprägtem, unwillkürlichem Nervenzucken. Dies erfordert vom Tätowierer extreme Erfahrung und Flexibilität in der Handführung, um trotz der plötzlichen Muskelkontraktionen präzise, saubere Linien und Schattierungen zu setzen.

