„Ein Cover-up ist kein bloßes Versteckspiel, sondern die endgültige Transformation der eigenen Vergangenheit. Wenn sechs alte Brustmotive unter den schweren, tiefroten Falten eines theatralischen Vorhangs verschwinden und die explosive Lebensfreude einer La Catrina zum finalen Flamenco mit dem Tod ansetzt, wird die Haut zur lebendigen Bühne"
— Roald Beyer über den Tanz des Todes und die dramaturgische Kunst der Überdeckung
Tanz des Todes mit La Catrina Tattoo
Der Ursprung des Konzepts: Vom Ungeschmack zum Brust Cover-up Tattoo
Die Aufarbeitung der Vergangenheit
Man soll ja nicht schlecht über andere reden, Punkt. Deswegen fange ich damit erst gar nicht erst an. Denn im vorliegenden Fall geht es nicht um meinen Geschmack, sondern es geht um den nicht mehr getroffenen Geschmack von Micha. Und der frühere Geschmack, der nunmehr ein Ungeschmack war, sozusagen ein Geschmäckle, sollte Grundlage für ein Brust Cover-up Tattoo werden. Und nicht nur irgendein Brust Cover-up Tattoo, sondern eines von wenigstens sechs Einzelelementen, die in ihrer, der Vergangenheit zuzuweisenden Schönheit die Brust zierten. Ich weiß nicht, ob ich mich mit dieser Aussage zu weit vorwage, aber aufgrund unserer Gespräche könnte in den alten Tattoos durchaus eine gewisse Menge an Trauerarbeit über die verstorbene Frau eingeflossen sein.
Der Tod als Wegweiser und Befreier
Auf jeden Fall, jenseits von jeder Spekulation für diese Tattoo Überdeckung, sollte nun den alten Tattoos der Weg in das Jenseits gezeigt werden. Und was eignet sich besser, um den Weg in das Jenseits zu zeigen, als der Tod? Das wäre in dem Sinne dann im wahrsten Sinne der Tag des Todes. Es muss nicht immer der Tag der Toten sein.Totenschädel sind immer eine willkommene Thematik, besonders um sich selbst vorzuführen, dass man noch nicht tot ist und doch bitte leben solle. Bei den ersten Skizzen überlegte ich noch, wie ich den Tod in enger Umschlungenheit mit einer weiblichen Person darstellen sollte. Den Tod hinter der Figur darzustellen erschien mir allerdings unpassend. Zu einseitig.
Der aktive Reigen mit dem Vergänglichen
Denn wenn der Tod auch das Ende unserer physikalischen Existenz sein mag, so sind wir doch täglich nicht nur mit ihm konfrontiert, sondern tanzen geradezu mit ihm.Mal leichtfüßig, mal klumpfüßig, aber nichtsdestotrotz immer auch mitwirkend und damit in einer aktiven Position. Denn wer auf den Tod wartet, hat nicht gelebt. Deswegen war in Bezug auf das Motiv die nächste Überlegung, die weibliche Person wie eine Flamenco-Tänzerin, eingehüllt in ein Cape oder Schal darzustellen, umarmt von einem Gerippe im Anzug. Der Anzug hatte mehrere Funktionen: Nicht nur macht er die Szenerie surrealer, ebenso wie angemessen elegant, auch aus dem funktionalen Bereich konnte damit gut das alte bestehende Tattoo abgedeckt werden. Ich beabsichtigte eine aus Schwarz und Weiß bestehende Grau-Mischung zu verwenden.
Die farbliche Tiefenwirkung und die Symbolik
Die Symbiose aus Lebensfreude und Vergänglichkeit
Die weibliche Person bot sich als eine Frau, geschminkt mit einer La Catrina Maske an. Die La Catrina symbolisiert auf einzigartige Weise die nur auf einem Weg überbrückbare Verbindung zwischen Leben und Tod. Das beinhaltet die Ausrichtung auf den finalen Moment, als auch die davor stattfindende Lebensfreude. Durch die verschiedenen zu überdeckenden Elemente und die Komposition der beiden Tanzenden stand ich vor einem gewissen Dilemma. Ich musste im Vordergrund dunkle Elemente verwenden, um zu überdecken, ebenso wie im Hintergrund. Und damit lief ich Gefahr, bei dieser Tattoo Überdeckung einen Sandwich-Effekt aufzubauen, in dem die mittlere visuelle Ebene zwischen Vordergrund und Hintergrund eingequetscht wird.
Die technische Lösung des Sandwich-Effekts
Das passiert, wenn im Vordergrund Farben verwendet werden, die durch ihren starken Blauanteil visuell dem Hintergrund zugeordnet werden. Das bedeutet Verschlimmbessern, eine andere Form des Tanz des Todes Das konnte ich nur durch einen stufenweisen Aufbau umgehen, in dem das Lila der Handschuhe der Dame vor das Rot des in der Hand gehaltenen Fächers gesetzt wurde. Und dazu im Hintergrund mit einer Mischung aus Grau und Blautönen gearbeitet wurde. Diese wurden durch das Cape der Dame unterteilt, was eine Trennung von Tod und Frau ermöglichte. Gleichzeitig wird eine Verbindung geschaffen durch die Kordeln an der Borte der Stola, die den Tod zu umarmen scheinen.
Die plastische Hierarchie im Fächer
In den Fächer arbeitete ich noch weitere Elemente von stilisierten Totenköpfen ein, was dem Fächer ein offenes, unterbrochenes Erscheinen verleiht. Trotz der dunklen roten Nuancen bestand damit die Möglichkeit, durch Hinterlegung mit Grau eine Orientierungsebene zu schaffen, die es dem Rot ermöglicht, sich in den Vordergrund zu drängen.
Die theatralische Überdeckung des Brustbereichs
Der letzte Vorhang für die alten Motive
Nachdem zum oberen Brustbereich noch diverse Elemente, wie ein aus einer aufgeplatzten Narbe schauendes Auge, zu massiv zum Überdecken waren – die vorhandene Überdeckung war bereits sehr anspruchsvoll –, schlug ich ganz nach dem Motto des Tanz des Todes einen Theatervorhang vor. Diesen konnte man gut in Falten drapieren, in gediegenerem Rot, und somit weitere Elemente integrieren oder überdecken, wie auch die Krallen auf den Seiten der Brust.
Ein ewiges Theaterstück auf der Haut
Auch rein symbolisch bot sich das alleine schon deswegen an, weil in dem Theater des Lebens mit dem Tod der letzte Vorhang fällt. Und weil es so nett wirkt, wurden in die Stola auch noch ein paar putzige kleine Totenköpfchen gearbeitet. Die Frage bezüglich dem Nachstechen von Flächen, die die Farbe nicht so optimal angenommen haben (Micha ist im Jahr des Herrn 2026 64 geworden, oder waren es 65?) waren wir pragmatisch. Warum den Schmerz, wenn das Cover-up das alte Teil abdeckt.
Zusammenfassung: Technik und Symbolik – Tanz des Todes mit La Catrina Tattoo
Stilistik & Design: Monumentales, allegorisches Cover-up-Konzept (Danse Macabre); Fusion aus einer im Flamenco-Stil gehaltenen La Catrina und einem skelettierten Tanzpartner im eleganten Anzug.
Anatomische Integration: Großflächiges Brust-Piece; Ausnutzung der natürlichen Muskel- und Schlüsselbeinformen zur Drapierung eines schweren, tiefroten Theatervorhangs im oberen Brustbereich.
Hierarchisches Layering: Vermeidung des „Sandwich-Effekts“ durch gezielte Farbtrennung; lila Handschuhe im direkten Vordergrund, gefolgt vom roten Fächer und einem diffusen, blau-grauen Hintergrund.
Farbtechnische Innovation: Einsatz von komplementären Strukturen und Grau-Hinterlegungen unter den roten Nuancen des Fächers, um trotz massiver Cover-up-Dichte eine plastische Tiefenwirkung zu erzielen.
Kreative Cover-up-Lösung: Verwendung des schwarzen Anzugs und der schweren Falten des drapierten Vorhangs, um sechs alte, farbintensive Motive sowie massive Bildelemente (Narbe, Krallen) restlos zu neutralisieren.
F.A.Q. – Anatomie des Catrina-Totentanz Cover-ups
Was versteht man unter dem „Sandwich-Effekt“ bei einem Cover-up und wie wird er vermieden? Ein Sandwich-Effekt entsteht, wenn Vorder- und Hintergrund visuell miteinander verschmelzen und die dazwischenliegende Ebene optisch „eingequetscht“ wird. Das passiert oft bei Cover-ups, wenn viel dunkle Farbe zur Überdeckung benötigt wird. Um das zu verhindern, baut man das Motiv in klaren Farbstufen auf: Kühle Töne (Blau/Grau) weichen in den Hintergrund, während warme Töne (Rot des Fächers) oder stark kontrastierende Akzente (Lila der Handschuhe) den Vordergrund dominieren.
Warum eignet sich das Motiv eines Vorhangs oder Anzugs besonders gut für komplexe Brust-Überdeckungen? Beim Covern von Alttattoos ist man auf massive, deckende Flächen angewiesen. Ein Faltenwurf (wie bei einem Theatervorhang oder einem Cape) und glatte, dunkle Stoffflächen (wie bei einem Anzug) bieten die perfekte technische Grundlage. Sie erlauben es, unruhige Linien und massive Altlasten wie Krallen oder Narbenmotive in den dunklen Tiefen der Falten und Stoffstrukturen komplett verschwinden zu lassen, ohne dass das neue Tattoo blockhaft wirkt.
Welche symbolische Bedeutung hat die Kombination aus Flamenco, Vorhang und La Catrina? Diese Komposition verwandelt das Tattoo in ein lebendiges, theatralisches Gleichnis. Die La Catrina verkörpert die pure Lebensfreude und die Akzeptanz der eigenen Sterblichkeit, während der Flamenco-Tanz den aktiven, unerschrockenen Umgang mit dem Tod darstellt. Der schwere rote Vorhang schließt den Kreis zum „Theater des Lebens“, auf dessen Bühne mit dem Tod metaphorisch der letzte Vorhang fällt.







vor dem Cover-up
Tattoo
Nach dem Cover-up
Tattoo
vor dem Cover-up
Tattoo
vor dem Cover-up
Tattoo
vor dem Cover-up
Tattoo
vor dem Cover-up
Tattoo