"Der Tod ist das Erreichen des Lebenszieles. Die Blume ist erblüht und geht jetzt wieder in den Ursprung des Lebens zurück – als Dünger für zukünftige Generationen. Ein La Catrina mit Rose Tattoo ist das visuelle Fest dieser ewigen Zusammenkunft." — Roald Beyer über die Symbolik der Vergänglichkeit
La Catrina mit Rose Tattoo: Den Tod tanzend feiern
Philosophie des Vergänglichen
Der Tod ist ja ein ständiger Begleiter. Vielleicht nicht so wie bei dem Volk der Toraja auf der indonesischen Insel Sulawesi. Bei diesen werden die Toten zuerst mumifiziert und dann an einem Tag, dem Fest Ma´Nene, dem Fest der Zusammenkunft zuerst gereinigt, dann angezogen und dann zusammen mit den Angehörigen gefeiert und geehrt. Mit Zigaretten, Essen und allem, was so dazugehört. Trotzdem könnte man sagen, der Tod ist das Erreichen des Lebenszieles. Die Blume ist aus dem Boden gekommen, ist erblüht, hat ihre Blumensachen, was Blumen halt so tun, hinter sich gebracht, inklusive Verwelken, und geht jetzt wieder in den Ursprung des Lebens zurück. Als Dünger für zukünftige Generationen von Blumen. Das gehört zum La Catrina mit Rose Tattoo.
Andere Kulturen und der Dia de los Muertos
Wenn sich das zynisch anhört, so liegt das eventuell an unserem Umgang mit dem Tod. In anderen Kulturen wird das nicht mit Trauermiene und Tanzverbot gemacht. Im das Gegenteil: Da gibt es Party. Da wird getanzt, wie bei dem Jazz-Funeral in New Orleans oder bei den Nine-Nights auf Jamaica, wo am Schluss mal so richtig mit Rum nicht gespart wird. Oder wie in Mexiko, einem der wohl bekanntesten Feste für die Toten, der Dia de los Muertos, dem Tag der Toten. Der Tag der Toten wird mit Farbe und Blumen und Make-up und Freude gefeiert. Blumen im Haar einer La Catrina. Und wenn ein Wunsch nach einem La Catrina mit Rose Tattoo ausgesprochen wird, ist das ein besonderer Tag.
Die Gestaltung: Haare als dynamisches Element
Schließlich gibt es so viele Möglichkeiten bei dieser Motivwahl, von stilisiert zu realistisch, zu hyperrealistisch, es gibt keine Grenze. Außer es wird ein bestimmter Fokus gesetzt. Aber auch dann ist das keine Grenze, sondern eine Möglichkeit, Sachen zu betonen. Mit ihnen zu spielen. Und was gibt es Verspielteres als Haare, das weiß jeder, der mal einen „Bad Hair-Day“ hatte. Haare spielen wahnsinnig gerne. Fast so sehr wie kleine Kätzchen. Die bekommt man auch nicht unter die Haube. Besonderes Augenmerk bei diesem Tattoo waren die Haare. Aus meiner Perspektive gibt es nicht Vieles, das bei einer La Catrina störender wirkt als ein schwarzer Fleck über dem Gesicht. Das gilt auch für das La Catrina mit Rose Tattoo.
Kontraste statt schwarzer Flecken
Nachdem die Partie der Stirn bis zu den Augenbrauen inklusive der Haarpracht ungefähr ein Drittel des gesamten Kopfes umfasst, kann da eine ganze Menge Schwarz reingeballert werden. Aber das ist ja gottseidank nicht der Wunsch der Kundin. Der Wunsch ist eine Steckfrisur. Nachdem das eigentlich geschminkte Gesicht einen stilisierter Totenkopf darstellt, ist es nur naheliegend, dass die Augen und die Nase dunkel sein müssen. Das müssen aber nicht zwangsläufig die Haare auch werden. Die einfach mal als schwarzen Fleck zu tätowieren würde eventuell Herman Munster gut stehen, aber nicht Martina. Für ein La Catrina mit Rose Tattoo braucht es Differenzierung in den Graustufen, um die Form der Frisur lebendig und plastisch wirken zu lassen.
Farbtupfer im Haar der La Catrina
Eine klassische farbliche Kombination, auch bei einer La Catrina, ist immer noch Schwarz und Rot. Schwarz und Grau für das Gesicht und die Haare. Rot für die Rose. Auch wenn es sich bei Rot um eine dunkle Farbe handelt, ist sie eine Signalfarbe, die sich in den Vordergrund drängt. Jetzt sollen die Haare fließen, sie sollen eine Dynamik versprühen, die im Kontrast zu dem Gesicht stehen. Denn das Gesicht ist klar unterteilt in den Schädel/Skull-Anteil und den mit Schwarz abgesetzten, fast schon ornamental stilisierten Teil des Unterkiefers, der durch seine Tiefe den makabren Eindruck des ewigen Lächelns, wie ein tiefer Brunnen, nun ja, wortwörtlich vertieft. Das ist die Essenz beim La Catrina mit Rose Tattoo.
Strategische Platzierung und anatomischer Fluss
Besonders weil der Gesichtsteil fast schon melancholisch wirkt, durch die Punkte der ornamentalen Augenverzierung wie tränenerfüllt. Ich setze die Blume strategisch an die Schläfe, einen farblichen Drehpunkt. Dieser liegt beinahe mittig, aber doch so viel off-center, dass er die Dynamik der Haare unterstützt; die Haare werden in einer fließenden Form von dem Gesicht getrennt. Weiterhin konnte durch den farblichen Akzent die „Wange“, in dem Fall der gezeichnete Unterkiefer, noch dunkler gestaltet werden, weil ich hier einen Störer gesetzt habe, der durch das Schwarz und umliegende Grau noch mehr Kraft erlangt. Insbesondere da der Fluss der Haare in der Biegung unter der Rose durch die Zeichnung des Kiefers beim La Catrina mit Rose Tattoo fortgeführt wird.
Finale Akzente auf dem Schulterblatt
Auch unterstützt die Rose durch die Platzierung die Abgrenzung der im mittleren und dunklen Grau/Schwarzbereich gehaltenen Haare von dem in hellem Grau gearbeiteten Gesicht. Besonders der klare Blick wird dadurch noch eindrucksvoller vermittelt. Und letztendlich unterstützt die farbliche Akzentuierung die Platzierung auf dem Schulterblatt optimal, denn es soll ein ganzes Gesicht mit einer vollen Haarpracht sein. Kein dynamisches Konstrukt, wie es sich auf dem Schulterblatt anbietet, um die verschiedenen an dieser prägnanten anatomischen Stelle zusammenlaufenden Muskeln aufzufangen. Das La Catrina mit Rose Tattoo nutzt die Fläche des Blattes perfekt aus, um die Ruhe des Gesichts gegen die Bewegung der Haare und die Leuchtkraft der Rose auszuspielen.
Zusammenfassung: Technik und Symbolik – La Catrina Tattoo
Konzept: Verbindung von Melancholie und mexikanischer Lebensfreude (Dia de los Muertos).
Anatomie: Optimale Nutzung des Schulterblatts für ein großflächiges Porträt mit fließender Haarpracht.
Kontrast: Stilisierte Skelett-Elemente im Gesicht treffen auf plastisch ausgearbeitete Steckfrisur ohne „schwarze Löcher“.
Fokuspunkt: Die rote Rose an der Schläfe dient als farblicher Drehpunkt und trennt Gesicht von Haar.
Gefühl: Ein makabres, ewiges Lächeln, kombiniert mit einem klaren, fast melancholischen Blick.
"Aus meiner Perspektive gibt es nicht Vieles, das bei einer La Catrina störender wirkt als ein schwarzer Fleck über dem Gesicht. Haare brauchen Differenzierung in den Graustufen, um lebendig und plastisch zu wirken." — Roald Beyer über technisches Tattoo-Design


