TSV 1860 Löwe Tattoo
Große Flächen Schwarz verhalten sich auf einem Körper wie ein Ozean, auf dem Inseln schwimmen. Es werden Bereiche abgesetzt, die eine neue Insellösung nötig machen. Deswegen wurde der Löwe im Bereich der oberen Mähne ausfasernd, offen gestaltet.
Raul Beyer | Anatomischer Subtext
Unbekanntes Gespenst TSV 1860
Kann man zum TSV 1860 München noch irgendetwas hinzufügen? Außer dem Umstand, dass ihn eigentlich keiner wirklich kennt – er ein Gespenst ist in den Wallungen der Zeit? Nun, das zu behaupten wäre aufgrund der bewegten Vergangenheit, die der Verein durchgemacht hat, nicht richtig. Denn ob man es glaubt oder nicht, er hat ja auch Zeiten erlebt, in denen die erste Liga für ein ganzes Jahrzehnt gehalten werden konnte. Zugegeben, das ist schon eine Weile her. Aber das Motto „einmal ein Löwe, immer ein Löwe“ hält den wackeren Fan des TSV 1860 nicht ab, trotzdem zu den Spielen zu gehen. Man soll es nach diesem Spruch kaum glauben, aber das Maskottchen ist ein Löwe.
Mythos Sechzig: Zwischen Fankultur und Tradition
Es soll zwar auch die Abwandlung des Spruchs in „einmal Blau, immer Blau“ existieren, aber das ist nur Hörensagen, von dem kein Lebender berichten kann. Was gibt es sonst zu sagen über den TSV 1860? Auch wenn der Verein für sich selbst steht, eventuell der alte Spruch „Sport ist Mord“? Das wäre allerdings nicht ganz der Wahrheit entsprechend. Denn die Freunde der dritten Halbzeit, wie sie so genannt werden, sind auch nicht bekannter als andere. Deswegen keine schlechten Witze hier, nachdem die Münchner Polizei immer wieder zeigt, was risikobehaftet ist und was nicht. Aber vielleicht lässt sich eines meiner Mottos hier einbringen: „Ich mache keine Sportvereine“, gefolgt von einem „aber darüber kann man auch mal reden“.
Das Wunder der menschlichen Kommunikation
Also haben wir darüber geredet. Denn man soll es nicht glauben, ab und an wirkt menschliche Kommunikation Wunder. Es kommt natürlich immer darauf an, mit wem man redet, worüber und wann. Aber das wird jetzt etwas philosophisch und dazu sprengt es den Rahmen. Den wollen wir nicht sprengen, auch wenn die Situation um den TSV 1860 ein wenig explosiv sein mag, da er zeigt, dass es auch immer weiter nach unten gehen kann. Aber andererseits, wenn es nach unten geht, dann ist das eine Implosion, also genau das Gegenteil. Nichtsdestotrotz bestimmt der Rahmen die Form. Und die Form ist wie bei jedem meiner Tattoos Subtext. Konkret ist die Anatomie der Subtext.
Körperfluss und die Dynamik der Veränderung
Mal wieder, wer hätte es denn gedacht? Wir! Denn wir wissen vom Körperfluss. Und deswegen muss der Löwe eben auch an die Form des Armes angepasst werden. Denn auch wenn es nicht wahrgenommen werden will: Der Körper verändert sich, und das in nicht geringem Maße. Dann kann auch schon mal aus einem Totenschädel mit Irokese ein Etwas werden, das eher an einen Rhesusaffen erinnert. So gesehen und überdeckt, damals in meiner Anfangszeit. Ich weiß, die Anatomie ist so ein Thema für sich. Sie bewegt sich. Und das in einem einzigen Foto festzuhalten, funktioniert nur bedingt. Aber deswegen gibt es ja auch nicht nur ein Foto, sondern drei.
Anatomie als Grundlage der Platzierung
Wenn ich tatsächlich mal in meinem Leben die Zeit finden sollte, dann werde ich versuchen, ein Video zu machen und online zu stellen. Versprochen. Bis dahin sei versichert, dass alle Elemente des Deltas und Trizeps, Bizeps und Supraspinatus, des Rabenschnabelfortsatzes und des Schulterdaches wunderschön mit eingeflossen sind. Sie haben maßgeblich die Position des Löwen mitbestimmen dürfen. Und da wäre mal wieder die Frage, warum sollte man bei einem Tattoo großflächig Schwarz herumsetzen und das Hauptmotiv kleiner machen, als es bei geschicktem Einsatz von Schattierungen werden kann. Denn das mit den großen, dunklen Flächen ist nur eine Option, wenn das jemand mit sich machen lässt.
Gegen den Trend: Warum offene Schattierungen gewinnen
Man darf nicht vergessen, was große Flächen Schwarz sind und was sie bewirken: Sie sind ein fester Rahmen. Sie verhalten sich auf einem Körper wie ein Ozean, auf dem Inseln schwimmen. Es werden Bereiche abgesetzt, die bei einem weiteren Tattoo-Wunsch eine neue Insellösung nötig machen, eingebettet in Schwarz. Ich habe erst letztlich jemanden gesehen, der anders als bei diesem Tattoo von mir für einen Rauhaardackel am Unterarm einen kompletten Arm dunkel gefärbt bekommen hat. Ich kann darin keine Attraktivität erkennen. Deswegen wurde der Löwe im Bereich der oberen Mähne ausfasernd, offen gestaltet, ebenso wie in den anderen Haaren. Das ist ausreichend als Kontrast für den 1860-Löwen in klein und Hautfarben. Das Ganze ist größer als die Summe seiner Teile.
Zusammenfassung (Für das Artikel-Schema & Technischen Aufbau)
Projekt-Historie: Individualisiertes Custom-Tattoo des Traditionsmaskottchens des TSV 1860 München auf dem männlichen Oberarm; bewusste Abkehr von klassischen Vereins-Merchandising-Tattoos hin zu einem anatomisch fließenden Gesamtkunstwerk.
Anatomische Anpassung: Zentimetergenaue Platzierung des Löwenkopfes unter direkter Einbeziehung der Muskelbäuche von Delta, Trizeps und Bizeps, um den natürlichen Körperfluss in der Bewegung optimal aufzufangen.
Narrative Metamorphose: Transformation des starren Sechziger-Wappensymbols in ein lebendiges, dynamisches Porträt; meisterhafter Kontrast zwischen dem filigranen, hautfarbenen Traditionslöwen und der kraftvollen, auslaufenden Mähne.
Strategische Flussrichtung: Ausrichtung der weichen, offenen Schattierungen entlang des Schulterdaches und des Rabenschnabelfortsatzes, wodurch das Motiv organisch mit den Muskelgrenzen des Supraspinatus verschmilzt.
Handwerkliche Herausforderung: Kompletter Verzicht auf massive, blockhafte Schwarzflächen im Hintergrund, um unschöne, isolierte „Insellösungen“ auf dem Arm zu verhindern; Erzeugung maximaler Motivgröße und Plastizität durch den rein strategischen Einsatz von natürlichen Körperschatten.
F.A.Q. (Häufige Fragen für das Schema)
Wie wurde die Anatomie des Arms bei der Platzierung des 1860-Löwen berücksichtigt?
Die Anatomie bildet den entscheidenden Subtext des Tattoos. Die Muskelgruppen des Deltamuskels, Bizeps, Trizeps sowie die Knochenpunkte von Schulterdach und Rabenschnabelfortsatz haben die Positionierung maßgeblich bestimmt. Dadurch passt sich das Motiv dem natürlichen Körperfluss an und bleibt auch in der Bewegung formstabil.
Warum wurde der Löwe an den Rändern offen und ausfasernd gestaltet?
Eine ausfasernde Mähne verhindert, dass das Tattoo durch einen harten, künstlichen Rahmen vom restlichen Körper abgeschnitten wird. Die offenen Haare fügen sich organisch in das Hautbild ein. Das Motiv wirkt dadurch deutlich größer und dynamischer, da das Auge des Betrachters die Formen fließend weiterdenkt.
Was spricht gegen große, massive Schwarzflächen um das Hauptmotiv?
Massives Schwarz erzeugt einen starren Rahmen und wirkt auf dem Körper wie ein Ozean, in dem das eigentliche Motiv als isolierte Insel schwimmt. Werden später weitere Tattoos gewünscht, zwingen diese Flächen zu unschönen, neuen Insellösungen. Zudem verkleinert künstliches Schwarz das Hauptmotiv im Vergleich zu geschickt genutzten Körperschatten.
Wie entsteht der Kontrast beim kleinen 1860-Löwen, wenn kein hartes Schwarz genutzt wird?
Der Kontrast zum kleinen, hautfarbenen TSV-1860-Löwen wird rein über die feinen Schattierungen der umliegenden Mähne und der Haare aufgebaut. Durch diese feine Abstufung hebt sich das Wappentier plastisch und klar von der Haut ab, ohne dass der Arm insgesamt zu dunkel oder blockhaft wirkt.
Warum verändert sich die Wirkung von Tattoos im Laufe der Zeit am Körper?
Da der menschliche Körper permanent in Bewegung ist und sich auch die Muskulatur im Laufe der Jahre verändert, verändert sich die Geometrie der Haut. Wird ein Tattoo ohne Rücksicht auf die Muskelgrenzen gestochen, verzieht es sich beim Flexen. Eine Anpassung an den Körperfluss sorgt dafür, dass das Design dauerhaft attraktiv bleibt.


