Geisha Back Tattoo

"Wenn Yin-Yang eines ist, dann auch und vor allem in der Komposition zu berücksichtigen. Hell, Dunkel. Harmonisch. Keine Dominanz. Kein komplettes Überdecken der alten Elemente – eher Integration und die Liebe zum Detail." — Roald Beyer über die Entwicklung des Geisha Back Tattoos
japanisches Tattoo München
Kirschblüten Kranich Manschurenkranich Tattoo japan Style
Koi Tattoo Libelle Dragonfly München<br />

Yin und Yang im Fluss, das Geisha Back Tattoo

Das Geisha Back Tattoo, nicht zu verwechseln mit einem Geisha Tattoo. Genau genommen ist die Trägerin keine Geisha. Wobei, kann man der sogenannten kulturellen Aneignung frönen ohne nativ dem japanischen Kulturkreis zugeordnet zu sein? Ein ganz klares „Ja“. denn Liebe zu der Kultur kann einen im inneren des Herzens wenigstens so  definieren, wie man es möchte. Denn wenn es eines gibt, dann ist es Liebe. Und Liebe kann alle Grenzen überwinden. Jaja, ich kleiner Hippie-Klugscheißer, ich. Nichtsdestotrotz, in dem Fall besteht die Liebe zum japanischen Kulturkreis und Tattoos.

Tattoo- Entwicklung

Wie so vieles im Leben ist die Entwicklung eines Tattoos auch oft mit der eigenen Entwicklung verbunden. Und da kann es durchaus vorkommen, dass die Entwicklung alte Entwicklungen mit beinhalten, also integrieren muss. So geschehen bei diesem Geisha Back Tattoo. In diesem Fall war das mit der Integration des alten Tattoos  mal gar nicht so einfach. Denn die Integration von dem alten Tribal auf der linken Schulter hatte durchaus seine Tücken. Aber zuerst zu dem Mandschuren Kranich.

Japanische Kraniche

Der japanische Kranich, oder auch Mandschuren- Kranich ist von seiner Art ein sehr freundlicher und höflicher Zeitgenosse. Er macht zur Balz Paartänze, die einfach nur schön und anmutig zu nennen sind. Die Tiere leben monogam, die Paarbindung hält ein ganzes Leben lang, ein Umstand der auch im Tierreich nicht der Normalität entspricht. Als Rückenmotiv durchweg interessant. Wie können die Grundgedanken des Yin-Yang-Prinzips, das im asiatischen Raum diesen Vögeln zugesprochen wird, auf einem Rücken umgesetzt werden? Schließlich ist der Rücken nicht einfach eine glatte Fläche, alles vergebend. Besonders die Falte des Brustkorbes ist nicht zu unterschätzen, was sich auch mit dem Kommentar der Trägerin „Naja, Corona-Lockdown hat seine Folgen gezeigt“ als weise Voraussicht bei der Erarbeitung des Konzeptes entpuppen durfte.

Erster Gedanke

Der erste Gedanke war recht schnell skizziert. Und genauso schnell vom Tisch. Denn die Aussage, das alte Tattoo könne auch überdeckt werden, wurde von mir recht frei interpretiert. Wobei frei der falsche Ausdruck ist, eher dem Körper und der Form entsprechend, allerdings auf zu diesem Zeitpunkt groß aufgezogenen Fokus. Allerdings, als der Gedanke mit dem Herren des Haus abgesprochen wurde kam das Veto. Und eine leichte Irritation meinerseits. Denn wenn Yin-Yang Eines ist, dann auch und vor allem in dem Haushalt der Dame zu berücksichtigen. Und in der Komposition. Hell, Dunkel. Harmonisch. Keine Dominanz. Kein komplettes Überdecken der alten Elemente. Also eher Integration..

Verbindung mit Körper

Und das mit der Körperform zu verbinden. Holla, das kann das Gehirn mal recht nett herausfordern. Somit war dann zu den Hauptelementen, den Kranichen, Kirschblüten gefunden, als farbiger Konterpart für das schwarze Tribal. Das Tribal in der Art von Ästen und Zweigen interpretiert und soweit überhaupt möglich mittels einem Vorgrund/Hintergrund-Schema angeordnet. Die Form der Kraniche wurde mit dem Körper an die Form des Brustkorbes angepasst. Die langen Beine so konzipiert, dass es nicht von Belang wäre, wenn es zu körperlichen Veränderungen kommen sollte. Zugegeben, das ist bei dem linken nicht auf das hintere Bein bezogen, die Beine der Tiere einfach zu spiegeln war nicht drinnen, ohne das platt wirken zu lassen.

Spielereien

Und natürlich kommt ein Tattoo wie dieses nicht ohne Spielereien aus. Weiche Schatten in den Körpern. Die schwarzen Flügelspitzen als Rahmen. Und schließlich die Libelle. Zur weiteren Auflockerung im unteren Bereich, zusammen mit Schilf im fließenden Wasser. Der Libelle wurde auf der anderen Seite der Koi entgegen gesetzt. Und nach erfolgreicher Skizze konnte ich feststellen, dass ich einen weiteren kreativen Vorschlag machen durfte. „Was hältst du denn davon, dass wir dem Koi auf den Körper Libellen als Schuppen zeichnen?“.

Zusammenfassung: Konzept und Komposition – Geisha Back Tattoo (Rücken)

  • Motivation & Kultureller Bezug: Tiefe persönliche Verbundenheit und Liebe zur japanischen Kultur und Tattoo-Kunst als primäre Motivation für ein großflächiges Rückenmotiv – frei von starren Zuordnungen, getragen von Wertschätzung für die Ästhetik.

  • Herausforderung Alt-Tattoo: Notwendigkeit der Integration eines bestehenden Tribals auf der linken Schulter anstelle eines kompletten Cover-ups (aufgrund von Abstimmung im Haushalt/Konzept der Harmonie); gestalterische Uminterpretation des Tribals als Äste und Zweige mittels Ebenen-Einteilung (Vordergrund/Hintergrund).

  • Symbolik & Kranich-Motiv: Mandschuren-Kraniche als zentrale Hauptelemente, die im asiatischen Raum für das Yin-Yang-Prinzip (Harmonie, Lebenslange Treue) stehen; farblicher Gegenpol zum dunklen Tribal entsteht durch dynamisch platzierte Kirschblüten.

  • Anatomische Anpassung: Dynamische Führung der Kranichformen entlang der natürlichen Wölbung des Brustkorbs; vorausschauende Beinführung, um optische Verzerrungen bei zukünftigen Körperschwankungen zu vermeiden.

  • Spielereien & Synergien im Detail: Auflockerung des unteren Rückenbereichs durch fließendes Wasser, Schilf, Libellen und einen Koi; kreativer Kniff: Die Schuppen des Kois werden aus filigran gezeichneten Libellen gebildet, um die Elemente auf einzigartige Weise miteinander zu verweben.

F.A.Q. – Geisha Back Tattoo

Warum wurde das alte Tribal integriert statt komplett überdeckt? Die ursprüngliche Idee einer kompletten Überdeckung wurde verworfen, da im Sinne des Yin-Yang-Prinzips keine Dominanz und kein vollständiges Verschwinden der alten Elemente gewünscht war – stattdessen wurde das Tribal als Äste und Zweige interpretiert.

Welche symbolische Rolle spielen die Kraniche als Rückenmotiv? Mandschuren-Kraniche leben monogam ein Leben lang und stehen damit für eine besonders beständige Paarbindung, umgesetzt entlang der Körperform inklusive der Brustkorbfalte.

Warum wurde die Libelle als Gegenstück zum Koi platziert? Sie dient der Auflockerung im unteren Bereich, zusammen mit Schilf im fließenden Wasser, und bildet so ein ausbalancierendes Gegengewicht zum Koi auf der anderen Seite.

Wie wurden Libellen als Koi-Schuppen integriert? Aus einem spontanen kreativen Vorschlag heraus wurden die Schuppen des Kois direkt als kleine Libellen gezeichnet, statt sie klassisch schematisch darzustellen.