Absurdes Tattoo, Custom Tattoo als visuelle Kommunikation: Kunst jenseits bloßer Aufmerksamkeit

„Im Anfang war der Unsinn – und am Ende hat der Tod einen jeden an den Eiern. Zwischen Seyfried-Comics, Yue Minjuns Zynischem Realismus und Friedrich Nietzsches Philosophie entfaltet sich auf diesem Fullsleeve ein bewusst absurdes Wimmelbild, das jede Unterstellung von platter Profilierung Lügen straft. Warum anatomische Hürden am Ellbogen Mut zur Verzerrung verlangen und erst reflexionsfreie Kreuzpolarisation nach Jahren den wahren Charakter einer Arbeit ungeschönt sichtbar macht.“ — Roald Beyer (Raul) über philosophischen Bildwitz, anatomische Brüche und reflexionsfreie Fotografie

Hinweis zur Bildwiedergabe: Warum meine Tattoos nicht (mehr) glänzen (Kreuzpolarisation & 33 Jahre Historie)

In meinem Portfolio findest du Arbeiten aus über drei Jahrzehnten Tätowierpraxis. Während neuere Projekte mittels Kreuzpolarisation reflexionsfrei und tiefenscharf optimalerweise im vollständig verheilten Zustand dokumentiert werden, zeigen ältere Aufnahmen die authentische, verheilte Tätowierung ohne moderne Filteroptik.

Warum ich in der Regel Tattoos erst nach Wochen fotografiere, weshalb ich dem Social-Media-Trend des reinen „Arbeitens für das Foto“ widersprechen und wie Daniel Kahnemans Kognitionsforschung (WYSIATI) meine Sicht auf Unikate erklären kann:
→ Erfahre mehr über meine Philosophie der Tattoo-Dokumentation & Fotografie

Detailansicht Tattoo Unterarm: Comic-Tod mit Kescher, tanzende Insekten und integrierte Textpassage „Gott/göttlich war der Unsinn“ – Tattoo Fotografie
Buntes Fullsleeve Tattoo am Unterarm mit Comic-Tod in Kutte, rotem Kescher, musizierenden Skeletten und Nietzsche-Zitat – Custom Tattoo München
Friedrich Nietzsche Scherenschnitt als Tattoo am Ellbogen mit farbiger Spirale und Schriftzug „Im Anfang war der Unsinn“ – Custom Tattoo Design
Anatomische Tattoo-Führung am Ellbogen mit Nietzsche-Scherenschnitt und integriertem Schriftzug im Bart – Fullsleeve Tattoo München
Typografie Tattoo am Unterarm mit dem Nietzsche-Zitat „Im Anfang war der Unsinn und der Unsinn war bei Gott“, umrahmt von bunten Spiralen – Custom Tattoo Kunst
Unterarm-Tattoo mit dem Zitat „Im Anfang war der Unsinn“, gelber Sonnenszene und tanzendem Skelett vor leuchtendem Hintergrund – abgeheiltes Tattoo München
Detailansicht Unterarm-Tattoo: Skelett nutzt Knochen als Trompete neben Comic-Totenkopf und bunten Insekten – reflexionsfreie Kreuzpolarisations-Aufnahme
Makroaufnahme eines tanzenden Skeletts mit Griff in den Schritt vor einer gelben Sonne am Arm – absurdes Detail eines Fullsleeve Custom Tattoos
Detailansicht am Innenarm: Comic-Säufer nach Gerhard Seyfried mit Schnapsflaschen, Gürteltier mit rosa Schleife und farbenfrohen Wimmelbild-Motiven
Buntes Comic Tattoo nach Gerhard Seyfried am inneren Bizeps mit lachendem Säufer, Flaschen und Gürteltier – Custom Tattoo München
Detailansicht Tattoo Unterarm: Comic-Tod mit Kescher, tanzende Insekten und integrierte Textpassage „Gott/göttlich war der Unsinn“ – Tattoo Fotografie
Rückansicht Fullsleeve Tattoo mit heroischer Arbeiterfigur, tanzendem Yue-Minjun-Charakter und anatomisch angepasstem Nietzsche-Konterfei über dem Ellbogen
Vollständiges absurdes Fullsleeve Tattoo von der Schulter bis zum Handgelenk mit Arbeiterfiguren, Nietzsche-Scherenschnitt am Ellbogen und Sinnspruch – Custom Tattoo München
Vollständiges absurdes Wimmelbild Custom Tattoo am Außenarm: Heroische Figuren aus „Flucht aus Berlin“ und Nietzsche-Elemente – Fullsleeve Tattoo München
Buntes Custom Tattoo Fullsleeve am Arm mit Frauengestalt, Vogel im Haar, Comic-Tod und integrierter Schrift – professionelle Tattoo Fotografie ohne Glanzstellen
Buntes Custom Tattoo Fullsleeve am Arm mit Frauengestalt, Vogel im Haar, Comic-Tod und integrierter Schrift – professionelle Tattoo Fotografie ohne Glanzstellen
Farbiges Fullsleeve Tattoo in der Gesamtansicht von Schulter bis Handgelenk mit heroischen Figuren und Comic-Tod – Tattoo Fotografie mit Kreuzpolarisation
Kompletter bunter Fullsleeve Tattoo Arm Innenseite: Comic-Figuren, Yue Minjun Zynischer Realismus und Seyfried-Motive – abgeheiltes Tattoo München

Das Vorurteil der reinen Wichtigtuerei bei Familienfeiern

Ich saß letztlich mit ein paar Leuten zusammen, Festlichkeiten zu einem fortgeschrittenen Altersabschnitt meines Vaters, und wie es kommen musste, kam irgendwann mal die Sprache auf meinen Beruf. Und damit kam einiges an Bestürzung und grundlegende Ablehnung in das Gespräch hinein, zusammen mit der Aussage, man könne es nicht verstehen: Warum machen die Leute denn so was? Einer der Personen am Tisch war es naheliegend vollkommen klar, warum so etwas gemacht werde, und so platzte es aus ihr heraus: Aufmerksamkeit! Leute machten das lediglich aus Gründen, um Aufmerksamkeit zu erregen. Ich blieb gezielt still. Was soll man auch zu so einer Aussage erwidern?

Tattoo Kommunikation als paralleles Bemühen um Ausdruck

Ich vertrete ja die Auffassung, dass Tätowierungen Kommunikation sind. Mit sich selbst, aber auch mit der Außenwelt. Daher: Würde man Tätowierungen generell und besonders in Zeiten multimedialer Kommunikation als paralleles Bemühen um Kommunikation wahrnehmen, dann würde in dieser Aussage „Aufmerksamkeit“ eine kategorische Abwertung und Disqualifikation jedweden Eigen-, geschweige denn Mehrwerts von eben diesem kommunikativen Bemühen liegen. Denn damit wäre jede getätigte Aussage als Wichtigtuerei abgestempelt. Und damit läge im nächsten Moment die Frage unausweichlich im Raum, ob Kommunikation überhaupt ein erstrebenswertes Unterfangen wäre. Und damit wird es philosophisch. Ungefähr so philosophisch wie Friedrich Nietzsche. In seiner Kritik der Religion „Menschliches, Allzumenschliches II“ vermerkt er treffend:

„Die ernsthafteste Parodie, die ich je hörte, ist diese: Im Anfang war der Unsinn, und der Unsinn war bei Gott, und Gott/göttlich war der Unsinn.“

Friedrich Nietzsche und das Zitat über den göttlichen Unsinn

Dadurch wird Nietzsches Aussage zu einer nihilistischen Konfrontation mit Sinnhaftigkeit und Vernünftigkeit der Welt und Schöpfung durch Anzweiflung einer Göttlichkeit und dem damit einhergehenden Sinn menschlichen Lebens in einer absurden Welt. Dieser Spruch sollte als zentrales Element das Tattoo bestimmen. Nun kann man ganz klar sagen, dass die Einführung des Trash-Stils ganz wesentlich bei der Integration von Sinnsprüchen in Tattoos unterstützt hat. Was man genauso sagen kann, ist, dass die Verwendung von Sinnsprüchen eben nicht nur auf diesen Stil reduziert werden sollte. Selbst wenn man diesen Stil auf seinem Körper umgesetzt haben wollte, was hier absolut nicht der Fall war, erfolgt die Verwendung von Farben eher im reduzierten Bereich: Rot.

Farbkonzepte und Inspirationen aus Gerhard Seyfrieds Comic-Welt

Rot ist eine tolle Farbe, unbestritten, durch die Assoziation mit Blut eine klare Signalfarbe für das menschliche Auge. Dieses individuelle Kunstwerk sollte aber besonders farbenfreudig werden. Und getreu dem zentralen Spruch provokativ, kontrovers, mit Berührungspunkten zu verschiedensten Elementen der Weltsicht des Trägers gestaltet sein. Ein weiteres zentrales Element sollte eine Szene aus dem Comic „Flucht aus Berlin“ von Gerhard Seyfried darstellen: Ein Mural mit heroischen Elementen der Arbeiterklasse, erhobenen Hammer in der Hand, zuversichtlich in die Zukunft schreitend. Dabei unterstützte der Umstand, dass eben dieses Mural in der Geschichte eine Dekadenz ins Absurde skizziert, am Anfang noch sehr ernsthaft umgesetzt und im Verlauf der Ausführung zunehmend ins Alberne abdriftend.

Zynischer Realismus von Yue Minjun und die gestalterische Herausforderung

Weiter hinzukommen sollte ein Tod im Comic-Stil mit einem Kescher in den Händen, allerlei Insekten und dem Kunstbereich des Zynischen Realismus zugeordnete Elemente von Arbeiten des chinesischen Künstlers Yue Minjun. Somit stellte mich dieses Gesamtkonzept vor einige echte Herausforderungen. Nicht nur war eine ganze Menge an verschiedenen Motiven mit im Spiel, sondern es musste die Konzeption auch so miteinander verwoben werden, dass die einzelnen Elemente sich nicht gegenseitig den Rang ablaufen. Also war es notwendig, Schwerpunkte zu setzen. Rein anatomisch ist ein Schwerpunkt naturgemäß der Ellbogen, neben der Schulter. Von der Hautbeschaffenheit kann der Ellbogen für Tätowierer durchaus ein heikles Thema sein.

Anatomische Hürden am Ellbogen bei einem Fullsleeve Tattoo

Nicht umsonst sieht man viele Tattoos, die den Ellbogen komplett freilassen. Andererseits ist ein Fullsleeve Tattoo bei dem über den Ellbogen drüber gearbeitet wird, oftmals sogar noch viel schlimmer: Durch die meist wulstigen Hautfalten am Ellbogen kommt es regelmäßig zu unschönen Verzerrungen in der Linienführung. Wir lösten das Problem, indem wir einen Scherenschnitt von Nietzsches Konterfei mit hartem Kontrast von Schwarz und Hautfarben drüber setzten, das Wort „Unsinn“ direkt in den Bart integriert. Die heroischen Figuren, eine Frau und ein Mann, aus der Ameisen- (oder Frosch-) Perspektive gesehen, wurden über dem Ellbogen nach oben mit farbigen Linien dargestellt, um dem Ganzen eine ganz bewusst gewählte Unschärfe zu geben.

Farbspiel am Himmel und skurrile Motive auf dem inneren Bizeps

Die lachenden und tanzenden Figuren, frei nach den Figuren von Yue Minjun, konnten in der Komposition darüber eingebaut werden – in der Farbgebung an einen bewölkten Himmel angelehnt: grau, trist, weich, nur partiell aufgehellt durch Pink- und Rottöne. In der Reihe der heroischen Gestalten im Bereich des inneren Bizeps war noch Platz für eine weitere Gestalt aus den Seyfried-Comics, ein immer wieder auftauchender Säufer. Um den Platz besser auszunutzen, schlug ich eine Szenerie aus übereinander gelagerten Flaschen vor, deren Inhalt und Form ein kleines zusätzliches Gimmick waren: Ein grinsender Wurm, an den Tequila-Wurm angelehnt, mit einer Rassel am Schwanzende, sorgt hier für eine humorvolle Note auf der Haut.

Kamel im Nadelöhr, Schiffe und absurde Details im Tattoo

Dazu kam ein Kamel in einem Nadelöhr, angelehnt an die Geschichte von Jesus und den Reichen, nach der eher ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher in den Himmel kommt. Und darüber ein Schiff, eben weil es für eine Flasche immer gut kommt, wenn darin ein Schiff schwimmt. Um den Bereich des Absurden noch ein wenig auszuweiten, wurden die Linien der Flaschen durch einen Trompeter, schwimmende, singende Enten und einen Sonnenschirm mitsamt einer schwimmenden Person ergänzt. Weiterhin wurde der männlichen heroischen Figur ein Charakter namens „Zwille“ als Achselhaar unter den erhobenen Arm gesetzt, der Frau ein Vogelnest ins Haar und ein Gürteltier mit Schleife als Strumpfband.

Musizierende Skelette und der Comic-Tod auf dem Unterarm

Die Silhouette des Trompeters wurde auf dem Unterarm von einem Skelett aufgegriffen, das einen Knochen als Trompete benutzt, neben einem anderen Skelett, das mit einem Knochen auf eine Trommel schlägt, während der Comic-Tod über sie hinweg schreitet. Der rote Kescher fängt glücklich und verdreht schauende Blumen und Insekten ein. Eine blaue Außenlinie dient als harter Cut zu einem offenen, schwarzen Gulli mit grinsendem Mund aus der Tiefe; das vorgesetzte Bein der männlichen Figur scheint förmlich darin zu versinken. Es gibt tatsächlich in diesem Bild noch so viel mehr, was bezeichnet werden könnte: die sich drehende Spirale in Grün und Magenta/Pink, die einen Teil der Schrift harmonisch umrahmt.

Das Dilemma der Interpretation und das finale Fazit zur Wichtigtuerei

Da sind noch die Kirche mit der als Treppe ausgerollten Zunge, der Pfaffe und die Hühner. Aber die Gesamtheit ist als individuelles Custom Tattoo kaum in Worte zu fassen. Die Kombination aus Absurdem, gezieltem Dilettantismus in der Ausführung der Figuren und Gesichter sowie die überspitzte Überzeichnung der Faltenwürfe machen dieses Werk einzigartig. Mal ganz abgesehen davon, dass Gesichtern in Tattoos eine ganz eigene Ebene zukommt, wie im Projekt Alien Augen Tattoo beschrieben. Und ganz klar als zentrale Aussage: der Tod als Skelett, das vor einem Sonnenuntergang tanzt, mit der Hand der Griff zu den Eiern. Denn wenn eine Sache klar ist in dieser Welt: Der Tod hat einen Jeden an den Eiern.

Philosophischer Schlussakkord

Aber das wäre nach der einleitenden Geschichte doch viel zu philosophisch und darüber hinaus: Wichtigtuerei.

Tattoo Fotografie im Wandel der Zeit: Fullsleeves reflexionsfrei dokumentieren

Langzeitdokumentation und veränderte Perspektiven auf abgeheilte Tattoos

Der Entstehungszeitraum dieses Projekts liegt um 2019/2020 herum, während die aktuellen Fotoaufnahmen aus dem Jahr 2026 stammen. Damit hat diese Arbeit einen ganz eigenen Stellenwert in meinem stetigen Bemühen, fertige Arbeiten umfassend zu dokumentieren und gleichzeitig die sichtbaren Veränderungen von Tattoos über die Jahre hinweg ehrlich zu veranschaulichen. Denn ich muss offen zugeben: Mithilfe meiner früheren Aufnahmetechniken war es mir technisch kaum möglich, komplette Arme völlig unverspiegelt und reflexionsfrei mit der Kamera einzufangen. Und ich muss dazu ganz ehrlich sagen: Meine vordergründige Priorität lag damals schlichtweg darin, dass primär die Kunden zufrieden sind und nicht nur die Fotos perfekt aussehen.

Typische Glanzstellen und Reflexionen bei großflächigen Sleeves

Besonders über den gesamten Arm gehende Sleeves haben an ganz charakteristischen anatomischen Stellen störende Glanzstellen aufgewiesen – besonders gerne direkt auf der gewölbten Schulterkugel, am vorderen Kopf des Trizeps oder entlang des Brachioradialis, wie zu sehen im Knochenrüstung Tattoo. Aus diesem Grund haben solche großflächigen Arbeiten oftmals, selbst wenn brauchbare Bilder vorlagen, zunächst einmal für längere Zeit ungenutzt auf der Festplatte verbracht. Ein Umstand, den ich schließlich im Rahmen meines Fachberichtes 2026 im Magazin Tattoo-Spirit ganz konkret angegangen bin. Genau aus diesem Grund wurden diese speziellen Aufnahmen nun mittels professioneller Kreuzpolarisation vollständig neu erstellt, um die Hautpartien absolut blendfrei zu präsentieren.

Zusammenfassung

  • Visuelle Kommunikation statt Wichtigtuerei: Widerlegung des Vorurteils, Tattoos dienten bloßer Selbstdarstellung; Definition von Tätowierungen als vielschichtiges, paralleles Kommunikationsmittel mit sich selbst und der Außenwelt.

  • Philosophischer Leitfaden: Nihilistische Auseinandersetzung mit Religion, Schöpfung und Sinnsuche anhand von Friedrich Nietzsches Zitat aus „Menschliches, Allzumenschliches II“ („Im Anfang war der Unsinn…“).

  • Vielschichtige Motiv-Symbiose: Zusammenführung disparater Stile und Weltsichten in einem Custom-Wimmelbild – vom Comic-Mural Gerhard Seyfrieds (Flucht aus Berlin) über musizierende Skelette bis hin zum chinesischen Zynischen Realismus von Yue Minjun.

  • Anatomische Problemlösung am Ellbogen: Gezielte Platzierung eines harten Schwarz-Haut-Scherenschnitts von Nietzsches Konterfei direkt auf den beweglichen Hautfalten des Ellbogens, um optische Verzerrungen der Linienführung elegant aufzufangen.

  • Reflexionsfreie Langzeitdokumentation: Dokumentation des über Jahre abgeheilten Tattoos (Entstehung ca. 2019/2020, Aufnahmen 2026) mittels professioneller Kreuzpolarisation, um gewölbte Zonen an Schulterkugel und Bizeps blendfrei festzuhalten.

  • Absurder Detailreichtum: Ausweitung ins Groteske durch gestapelte Flaschen mit Tequila-Wurm, Schiff und Kamel im Nadelöhr, ein tanzendes Skelett mit Griff in den Schritt sowie den Comic-Tod mit Kescher.

F.A.Q. – Häufig gestellte Fragen

Was zeichnet ein absurdes Custom Tattoo als Wimmelbild aus?

Ein solches Projekt kombiniert disparate geistige, popkulturelle und philosophische Einflüsse zu einer dichten, ineinandergreifenden Gesamterzählung. Statt isolierter Standard-Flashs werden scheinbar widersprüchliche Elemente – wie Comicszenen, religiöse Parodien und kunsthistorische Zitate – über fließende Linien, surreale Übergänge und gezielte Farbkontraste zu einem harmonischen Unikat verwoben.

Wie lässt sich der Ellbogen bei einem Fullsleeve Tattoo gestalterisch lösen?

Die stark gewölbten, runzeligen Hautfalten des Ellbogens führen bei feinen Linien oder realistischen Porträts schnell zu unschönen Verzerrungen. Die Lösung liegt in kontrastreichen, flächigen Motiven: Ein grafischer Scherenschnitt (wie das Konterfei Nietzsches mit integrierter Schrift im Bart) verzeiht die Dehnung der Haut bei Bewegung und fügt sich organisch in den Bewegungsablauf ein.

Welche Bedeutung hat das Nietzsche-Zitat in diesem Fullsleeve?

Das Zitat „Im Anfang war der Unsinn, und der Unsinn war bei Gott, und Gott/göttlich war der Unsinn“ bildet das ideologische Fundament des Sleeves. Es bricht die Ernsthaftigkeit dogmatischer Sinnsprüche humorvoll und provokant auf und legitimiert das bewusste Abdriften der Motive in das Absurde, Alberne und Groteske.

Warum wird bei diesem Projekt der Zynische Realismus (Yue Minjun) aufgegriffen?

Die lachenden, tanzenden Figuren im Stil des Künstlers Yue Minjun transportieren ein Gefühl von lachender Resignation und Selbstironie gegenüber einer absurden Realität. Auf dem oberen Armbereich integriert und in tristen, wolkenartigen Grautönen mit Pink- und Rot-Akzenten angelegt, spiegeln sie das Spannungsfeld zwischen Humor und existenziellem Ernst wider.

Warum wurden die Fotoaufnahmen des Sleeves erst 2026 mit Kreuzpolarisation erstellt?

Großflächige Sleeves weisen an stark gewölbten Körperstellen (z. B. Schulterkugel, Trizepskopf und Brachioradialis) bei Standardbeleuchtung massive Glanzstellen und Lichtreflexionen auf. Durch die Kreuzpolarisation werden spiegelnde Reflexe der Hornhaut eliminiert. Dadurch lässt sich das Tattoo im vollständig verheilten Zustand nach Jahren genau so reflexionsfrei und tiefenscharf zeigen, wie es in der Realität auf der Haut wirkt.