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Cover Up Tattoo

Begriffdefinition

Cover-up Tattoo, oder auch Tattoo Überdeckung ist eine sehr in den Fokus geratene Kunstform unter den Tätowierungen. Deswegen kann man sie als eine Spezialität bezeichnen. Doch was heißt Cover-up? Früher hieß es, die Farbe müsse in Hinsicht auf die Stichtiefe über dem alten Tattoo liegen. Für den Anfang belassen wir es dabei.

Gründe und warum es nicht von Stöckchen zu Stock kommen sollte

Vielmals hat sich der Ein oder die Andere ein Tattoo stechen lassen, das später Grund für Unzufriedenheit war. Solche Tätowierungen zu überdecken ist eine der Königsdisziplinen. Denn kaum ein Tätowierer mag sich die Mühen machen und sich den Kopf über das Thema zermartern. Erst letztlich musste ich staunen, was ein anderer Laden anpreist. Ein Rücken, auf der linken Schulter ein ca 7 cm großes altes Tattoo. Die Überdeckung ist dann ein Wohnblock in schwarz. Von der linken Schulter über die Wirbelsäule rüber. Mit Fensteröffnungen in Hell. Und auf der anderen Schulter ist ein Frauengesicht.  Tatsächlich? Macht es Sinn über kleine Areal nach dem Motto mit Kanonen auf Spatzen schießen komplett einen Black-out zu machen?

Motivwahl Cover-up

Die Motivwahl ist elementar wichtig. Schließlich ist nicht immer ein Frauenkopf mit vielen Haaren zum Überdecken nach dem Geschmack. Oftmals werde ich gefragt, was denn da drüber passen würde?  Ferner, wie man eine Tätowierung überdecken könne? Ob denn das Motiv da überhaupt drüber passen würde? Sofern man von „alten“ Kriterien ausgehen würde wären Haare immer gut. Oder eine Schwarze-8-Billardkugel. Tatsächlich habe ich das wirklich nur einmal gemacht bislang. Ein Freund aus Brighton Beach rief mich einen Tag vor seiner Hochzeit an. Seine Zukünftige hatte ihn rausgeworfen. Alle Namen von Verflossenen hatten wir überdeckt. Bis auf einen. Deswegen sagte er: „Put an Eightball on me, geeza“.

Komplett Schwarz

Natürlich ist es auch immer eine Option, alles komplett Schwarz zu machen. Schwarz macht schließlich alles weg. Oder nicht? Oder nicht. Solche Kriterien sind, wie gesagt „alte Kriterien“. Übrigens meiner Meinung nach einfachste Lösungsansätze. In vielen Fällen scheinen sie auch zuverlässig zu greifen. Eine Überdeckung ist aber eine Kunst. Aber was machst du, wenn du keine Schönheit mit wallenden Haaren, oder einen schwarzen Arm haben willst…? Schließlich ist eine Überdeckung nicht wie ein Schlüssel-Schloss-Prinzip. Folglich dem Motto “ über ein solches Tattoo A passt genau ein solches Tattoo B“…

Deine Geschichte: Hauptfaktoren

Natürlich kann ich Gedanken bezüglich der Motivwahl mit einfließen lassen. Aber letztendlich schaut es so aus: Du hast ein Problem, und ich versuche es zu lösen. Und wie kann man vermeiden, dass das neue Tattoo wieder zu einem Problem wird?  Elementar wichtig ist, dass Du entscheidest, was dir gefällt. Was du gerne in die Überdeckung einfließen lassen willst. Was du in deinem Leben haben willst. Folglich je mehr Gedanken, desto besser. Schreibe sie in eine Liste. Damit ist es einfacher, aus den Gedanken einen Hauptfaktor zu isolieren.

Deine Geschichte: Seitenelemente

Hast du ein Hauptelement bestimmt und noch eine Menge Gedanke übrig? Mach eine Liste. Mach kein Bild. Das blockiert dich. Denn wir gehen jetzt mal davon aus, dass du nicht täglich zeichnest. Mach dich nicht zu einem Opfer von Writers-Block. Aus der Liste kann man auswählen, weitere Seitenschauplätze einfließen lassen. Eben die Elemente, die dir wichtig sind. Sie werden so über das alte Tattoo gesetzt und eine zufriedenstellendes Endergebnis daraus erstellt. Du lieferst deine Gedanken, ich liefere die Kunst und eine Lösung. Weil das ist meiner Meinung nach die Kunst. Teile des Alten in das Neue so zu integrieren und sie darin aufgehen lassen. Oder besser gesagt, in der Vielfalt des Neuen untergehen lassen.

Feste Parameter

Allerdings gibt es ein paar feste Parameter bei dieser Form des Tattoos. Deshalb sind ein paar Sachen nicht zu ändern:

  • Schwarz/Grau Tattoos sollten mit Schwarz/Grau überarbeitet werden.
  • Farbige Tattoos mit Farbe.
  • Das Endergebnis wird immer grösser sein als das alte Tattoo, um die dunklen Flächen aufnehmen zu können. Was aber nicht bedeuten muss, dass aus einem 5 x 5 cm Tattoo gleich ein kompletter Arm werden muss. Oder ein Wohnblock. Aber natürlich, sofern der Wunsch besteht, werden kann.

Meine Vorgehensweise bei alten farbigen Tattoos

Ich arbeite auch über alte farbige Tattoos immer nur mit Farbe. Das heißt, es kommen in der Regel auch dort keine schwarzen oder grauen Schattierungen zum Einsatz. Außer in Ausnahmefällen. Das handelt sich dann in der Regel um massive Problemzonen, in denen differenziert betrachtet werden muss. Und dort grenze ich schwarze Flächen klar von den Farben ab und setze sie nicht unter die Farbe. Schließlich werden die neuen Tattoos in der Regel rein prinzipiell eh schon dunkel. Sie müssen nicht zusätzlich noch matschig werden durch Schattierungen. Denn diese lassen die Farben abstumpfen.

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und so sieht es aus, wenn das richtig überdeckt wird: Video

Nachher

No-Go´s

 

Bei diesen Bildern sieht man, wie eine Überdeckung nicht funktionieren kann. Die Farben überdecken nicht die Linien. In den Kreisen/ Ovalen sieht man diverse Faux-Pas bei einer Überdeckung:

  • So wie die Schatten mittels Schwarz: die Farben schauen stumpf aus.
  • Der Versuch mit hellen Farben über Linien/ dunkle Farben zu gehen.
  • Keine Rücksichtnahme auf die vorherige Struktur, was die alten Linien usw noch störender hervortreten lässt.

Man sollte sich immer darüber bewusst sein, dass eine Überdeckung einen Rettungsversuch bedeutet. Wenn aber das neue Motiv nicht zur Rettung beiträgt, sondern die Rettung nur zu einem noch größeren Desaster macht, was ist dann dabei gewonnen? Verschlimmbesserung ist kein Ziel.

Was ist  zu berücksichtigen?

Gerade bei einer Verbesserung ist der Kunde auf den Ratschlag des Tätowierers angewiesen. Und ja, da kann man sich schon mal in den sensiblen Bereich des Gegenübers bewegen.  Aber nur mal vom Prinzip her:

  • Wunsch ist Wunsch

Wenn der Kunde einen Wunsch hat, dann sollte der berücksichtigt werden. In diesem Fall wurde der Wunsch nach Biomechanik von dem Tätowierer nicht mit der Vorstellung von Biomechanik der Kundin abgeglichen. Sondern einfach etwas gemacht, das man mal von einem anderen Tattoo-Artist abgeschaut/inspiriert wurde.

  • Check deine Wunschliste

Wenn der Kunde keinen Wunsch hat, dann ist es schwierig darauf etwas zu bauen. Du musst mit dem Tattoo für den Rest deines Lebens herum laufen. Wenn man ein Kind ist, läuft man mehr oder weniger notgedrungen mit den Klamotten herum, die einem die Eltern kaufen. Das will man in der Regel im fortgeschrittenen Alter nicht mehr. Deswegen: Make up your mind. Es ist deine Geschichte, die du erzählt haben möchtest, nicht die des Tattoo-Künstlers. Wenn allerdings der Tattookünstler so geil ist, dass du z.B. den Rest deines Lebens mit seinem Portrait herumrennen willst, dann kann ich dir eine Adresse nennen, da wird man so bedient.

  • Motivation bei der Zuammenstellung der Wunschliste

Sei ruhig motiviert und anspruchsvoll, wenn du deine Wunschliste zusammen stellst. Beim verbessern kann der falsche Tätowierer eine Menge falsch machen. Wer einen Schwarzen Arm haben will, weil das zu oft versucht worden ist… . Eine Tätowierung kostet Geld und Schmerzen. Man kann es sich aussuchen, womit man eine Überdeckung bezahlen möchte: In Geld, Schmerz, oder in Unzufriedenheit.

Narben

Wenn sich einer denkt: Da gehe ich einfach mit Schwarz drüber, dann ist das halt weg… . Pustekuchen. Linien sind immer anders gearbeitet als Flächen. Und diese sieht man bei einer Überdeckung ganz gerne mal durch. Einfach nur dadurch, dass das ein Relief ergibt. Durch eine schwarze Überarbeitung wird es nicht besser. im Gegenteil. Durch die Struktur fallen Narben auf schwarzer Haut nur noch mehr auf, weil an der Stelle eine Spiegelung entsteht.

Go´s und No-Go´s

Es gibt ein paar No-Go´s. Ebenso wie ein paar Go´s.

Grösse

Das neue Tattoo ist immer größer als die alte Tätowierung. Es muss dunkle Flächen mit hellen Flächen in Kontrast setzen. Denn ansonsten hast du nur einen dunklen Fleck. Letztendlich muss kein ganzer Arm aus einem kleinen Schmetterling werden. Wenn du es willst, kann es das aber.

Gleiches zu Gleichem

Es muss Gleiches zu Gleichem gearbeitet werden. Farbe zu Farbtattoos. Schwarz-Grau zu Schwarz-Grau Tattoos. Beispielsweise sind zu überdeckende Tattoos in der Regel eh schon stumpf und matschig. Dabei sind die Farben ausgeblasst, die Linien oftmals vernarbt. Fälschlicherweise über diesen Matsch mit einer unpassenden Farbzusammenstellung zu gehen, das heißt gutes Geld Schlechtem hinterher zu werfen. Weder kann die strahlendste Farbe über eine unterliegende Schicht aus Grau/ Schwarz ankämpfen. Kein weißes Pigment der Welt kann über ausgeblasstes Schwarz decken. Noch kann ein Schwarz in Gänze Helles Weiß verschwinden lassen. Wer dir so etwas erzählt, macht dir etwas vor. Die alten Farben kommen wieder hoch. Im besten Fall wird ein Grau daraus.

Vorsicht, Narben

Achtung dabei, denn man arbeitet über Narben. Und Narben schauen immer durch. Schließlich sind Linien alter Tätowierungen in der Regel stärker aufgeworfen als Flächen. Sodass die Linien immer bemerkbar sein werden. Sobald die Sonne darauf scheint können die Linien anschwellen. Zwar werden Narben durch ein wiederholtes Tätowieren in der Regel flacher, ähnlich wie beim medizinischen Micro-Needling, weg gehen sie nicht. Um nicht ein tolles Kunstwerk zu haben, das Innen Schatten wirft, ist es nötig das alte Tattoo zu integrieren. Das heißt, dass man schauen muss, wie die alten Strukturen laufen. Um diese dann einzubetten.

Negative Space

Man braucht immer sogenannten “ negative Space“. Entsprechend Flächen in dem alten Tattoo, die heller sind. Optimalerweise, unter denen gar keine Farbe vorhanden ist. Denn sind diese nicht vorhanden, so muss man schauen, wie man die schaffen kann. Lasern ist in dem Fall die allerletzte Möglichkeit. Schließlich muss das gut geplant sein. Das sollte immer vor dem Cover up besprochen werden, ob das eine Option ist.

Sondermischungen

Ich arbeite farbige Überdeckungen alter Tätowierungen immer auch nur mit Farbe. Dafür mische ich in der Regel Sondermischungen. Das sind eigene Farben, die dazu imstande sind, die dunklen Stellen zu überdecken. Schwarz als Schattierung wende ich nur selten an. Und wenn ich mit Schwarz kontrastreicher gestalte, dann nur klar abgegrenzt. Denn, wie schon oben geschrieben: jedes Schwarz macht Farben stumpf und matschig. Farbe über Schwarz/Grau zu stechen geht nur in Ausnahmefällen. Sehr wenigen Ausnahmefällen. Und dann auch nur mit der entsprechenden speziellen Technik. Wenn du unbedingt Matsch haben willst, dann mach es anders. Je nach Farben lässt die Leuchtkraft nach ca 3- 7 Jahren nach. Jedoch abhängig allerdings auch von der Ausarbeitung des vorherigen Spezialisten.

Fazit

Fazit der Sache ist also, wenn du nicht möchtest, dass deine alte Tätowierung irgendwann wieder zu Tage kommt dann solltest du dir diese Sachen durch den Kopf gehen lassen. In ganz seltenen Fällen kann man über ein altes Tattoo nochmal, ein zweites Mal, überdecken. Aber das wird dann wirklich irgendwann mal echt dunkel.

Cover-up zu digitales Zeichnen