"Ursprünglich entstanden aus allem Organischen mit seinen funktionellen Einheiten in Verbindung mit mechanischer Technologie. Knochen. Leitungen. Alles was schleimig ist, sich zersetzt und der Zersetzung trotzt" — Eine Interpretation der Definition von Biomechanik (frei nach H.R. Giger)
Biomechanik Tattoos
Biomechanik im Bereich der Kunst ist ein Begriff, der maßgeblich von H.R.Giger geprägt wurde. Einerseits wurde es stellvertretender Begriff für seine Kunst und Schöpfung. Ursprünglich entstanden aus allem Organischen mit seinen funktionellen Einheiten in Verbindung mit mechanischer Technologie. Knochen. Leitungen. Andererseits entstand aus dieser Schöpfung ein eigenes Genre im Bereich Tattoo. Die darin enthaltenen Maschinen und deren Elemente, Lüftungsschlitze, Schläuche, Knochen und Kühlrippen bilden letztendlich die Grundlage für diese Tattoos. Dabei kam es ganz auf die Kreativität des Ausführenden an. Die eigentliche Welt H.R.Gigers entstand ursprünglich aus seinen Alpträumen. Aufgrund der ihm subjektiv drohenden technischen Verbindung von organischem Leben mit industriell-mechanischer Funktionalität wurden seine biomechanischen Werke geschaffen. Dabei wurden sie oftmals nur als Landschaft betitelt.
H.R. Giger, Ursprung der Biomechanik: Sexuelle Inhalte beim Biomechanik Tattoo?
Allerdings waren oft deutliche Bezügen zu sexuellen Inhalten in den Werken zu finden. Kopulierende Körper, Körperöffnungen per se, in jeder Form und Art. Gepaart mit funktionellen Einheiten wie Knochenelementen, als Ausdruck von Vergänglichkeit und Sterblichkeit. Infolgedessen als Ausdruck des Lebens. Sie fanden ersten Niederschlag im Film „Alien“. Was auch immer dem Alien nachgesagt wird, in der Regel sind imn Biomechanik Tattoo selten sexuelle Inhalte gewünscht. Tatsächlich kann ich mich nur an ein einziges Mal erinnern, als ich ausdrücklich darum gebeten wurde, mit Hinblick auf eben Gigers Werke, sexuelle Komponenten mit ein zu bauen.
Einzug der Biomechanik in Tattoo Welt
Der Begriff der Biomechanik Tattoo fand seinen Einzug in die Kunstwelt in der Mitte der Neunziger Jahre. Wobei man ehrlich sein kann, dass es entweder der direkte Versuch einer Kopie von H.R.Gigers war, die in den wenigsten Fällen erfolgreich waren: Es bedarf besonderer Technik um diese mittels Airbrush gefertigten Arbeiten als Tattoo zu reproduzieren. Und aus den USA reduzierten Tätowierer Ende der 1990 er Jahre der Begriff „Biomechanik“ recht eindimensional auf die Verwendung von Spiralen. Diese beinhalteten zwar immer strukturelle Elemente, gingen jedoch an dem von Giger geprägten Begriff oftmals weit vorbei. Schließlich stellten sie in der Regel eher Mischungen von Tribals mit Kühlrippen und ähnlichem dar, was auch noch heute weit verbreitet ist.
Steampunk: Die viktorianische Evolution der Maschine
Durch die Einführung des Begriffs “ Steampunk“ bekam der Stil wieder eine dem Ursprung wenigstens teilweise zugeordnete Orientierung. Der Gedanke ist dabei allerdings eher einer alternativen Welt entlehnt, die auf der Entwicklung der Dampfmaschine als Grundlage der technischen Entwicklung basiert. Meistens in einer viktorianisch geprägten Umgebung. Auch wenn der Steampunk oft als eigene Welt erscheint, ist er dennoch nur eine Erweiterung des Biomechanik Tattoo. Schließlich ist er eine Teilmenge, die sich auf technische Elemente und Maschinen bezieht. Wobei ich vom Gedanken her alles mögliche in den Begriff mit einfließen lassen würde. Strukturen aus Röhren, Gittern, maschinellen Elementen jeder Art. So wie Ketten und Zahnräder. Schläuche und Kühlrippen. Gelenke und Federn.
Individuelle Projektion: Warum freier Fluß bei Biomechanik Pflicht ist
Ob die Teile dabei als Gehäuse fungieren oder den Kolben einer alten, mit Dampf betriebenen Maschine entlehnt sind, oder der Lenkung eines Kfz, ist dabei relativ egal. Die Wahl über die Ausführung eines Tattoo in diesem Bereich ergibt sich eher dadurch, ob man seine Strukturen knochig und porös haben will. Oder glatt und metallisch. Weich und schleimig. Oder maschinell-funktionell. Da gibt es keine Grenzen, keine Möglichkeiten, die nicht kombiniert werden können. Schließlich sind all diese Komponenten nur Bausteine. Der Körper gibt die Form. Die Form wird in der Regel von dem Körperteil selbst diktiert. Das Gesamte ergibt eine Projektion auf den Körperteil. Beziehungsweise ergibt sich aus dem Körperteil. Denn eine Projektion wäre rein oberflächlich.
Mal fließender Fluss, mal Sammelbecken
Ich verwende dabei für ein Biomechanik Tattoo keine vorgefertigten Matrizen. Jede Form ist individuell und bei jedem Kunden einzigartig, ohne Rücksicht auf den Körperfluß geht hier rein gar nichts. Somit werden Elemente auf der Wade anders als Tattoos auf dem Arm. Oder auf dem Rücken. Und natürlich abhängig von den persönlichen Vorlieben. Weich. Hart. Rund. Eckig. Wie ein fließender Fluss, wie ein ruhiges Sammelbecken. Oder genau anders herum: wie ein Becken, dass sich in einem Sturz von Wasser ergießt, durch Rohre schießend, durch Gitter drängend, um dann wieder in einem ruhigen Becken zu landen.
Der Rahmen bestimmt
Welcher Körperteil mit welchem Ergebnis am Ende des Projekts geschmückt ist hängt auch von dem Rahmen ab, der für das Tattoo vor gedacht ist. Dabei gibt es keine Orientierungspunkte, was besser ist. Sicher, man könnte davon ausgehen, dass große Bereiche besser zu planen wären. Das stimmt allerdings nur bedingt und kommt wiederum ganz massiv darauf an, welche Formen man möchte. Nachdem es sich um funktionelle Einheiten handelt , die modular verknüpft werden können, bzw. auch müssen kann eine kleiner Rahmen bei nachträglicher Erweiterung durchaus zu einem sehr schönen fortgesetzten Prinzip entwickelt werden.
Anatomie der Biomechanik
„Wo das Organische auf das Industrielle trifft – individuell auf den Körper projiziert.“
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⚙Giger-Erbe: Verschmelzung von Alpträumen, Knochen und Kühlrippen als Ausdruck des Lebens.
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⚙Keine Matrizen: Jede Form ist ein Unikat. Der Körperfluss diktiert die mechanischen Bausteine.
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⚙Steampunk-Evo: Die viktorianische Erweiterung – Dampfmaschinen, Zahnräder und Gelenke.
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⚙Materialwahl: Du entscheidest: Knochig & porös, glatt & metallisch oder weich & schleimig.
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⚙Flow-Prinzip: Mechanik, die wie ein Fluss durch Rohre schießt und sich im Körperbau ergießt.
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⚙Modularität: Auch kleine Rahmen können durch funktionelle Einheiten jederzeit erweitert werden.

